Opfermond-roman

Interview mit Elea Brandt am 2.11.2017

Liebe Elea, vielen Dank, dass du uns heute ein wenig von dir und deinem Buch erzählst und wir dich besser kennenlernen dürfen!

Sehr gerne, vielen Dank für das Angebot.

Opfermond ist dein erstes veröffentlichtes Buch. Hast du davor  schon geschrieben?

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Ja, ich schreibe schon so lange ich mich zurückerinnern kann. Mein erster Roman ist mit 12 oder 13 Jahren entstanden, da ging es um ein Mädchen, das in einem Internat einen Pfad in eine fantastische Welt entdeckt und dort das Böse bekämpfen muss. Nun ja, diese Gehversuche ruhen mit gutem Grund in der Schublade. Wirklich professionell habe ich erst vor etwa 4 Jahren mit dem Schreiben begonnen. In der Zeit sind bereits einige Kurzgeschichten aus meiner Feder veröffentlicht worden, allerdings unter dem Pseudonym Mia Neubert.

Wenn man deine Homepage Elea-Brandt besucht, findet man auch Tips zu Weltenbau und Plotten. Gerade im Buch „Opfermond“ hast du großartigen „Weltenbau betrieben“. Wie lange hast du dazu recherchiert?

Hm, im Vorfeld habe ich – um ehrlich zu sein – gar nicht so viel recherchiert, sondern mich eher von meinem Gefühl und meinem gesunden Menschenverstand leiten lassen. Der Schauplatz meiner Geschichten entwickelt sich wie ein Charakter: Er bekommt eine eigene Mentalität, eine Persönlichkeit, wenn man so will und wächst dann Stück für Stück. Ghor-el-Chras, die Stadt, in der „Opfermond“ spielt, sollte deswegen nicht zu eng an historischen Vorbildern orientiert sein, sondern eine eigene Welt repräsentieren. Erst, als es dann an die Details ging, habe ich mich ein wenig ins alte Persien und Mesopotamien eingelesen.

Du hast zusammen mit Mantikore Verlag eine Leserunde zu diesem Buch gestartet. Als eine der Teilnehmerinnen fiel mir auf, dass du uns Leser sehr ernst nimmst und, dass es dich auch freut, wenn du uns (mich auf jeden Fall) ein wenig an der Nase herum führst. Hat die Leserunde deine Erwartungen erfüllt?

Absolut, die Leserunde war eine großartige Erfahrung. Erstmals hatte ich, nachdem das Buch erschienen war, die Chance, den Leseprozess Stück für Stück mitzuverfolgen, zu sehen, welche Gedanken den Lesern durch den Kopf gehen, welche Schlussfolgerungen sie ziehen, wie sie die einzelnen Elemente der Handlung verknüpfen – das war für mich unheimlich spannend. Und die Teilnehmer waren auch alle so engagiert, das hat mich riesig gefreut.

Deine Charaktere sind sehr ausgefeilt und authentisch entworfen. Liegt es auch daran, dass du es als begeisterte Rollenspielerin (Paper und Pen) gewohnt bist, in einen Avatar zu schlüpfen, oder besser: Die Figur mit Leben zu füllen?

Ja, ich denke, das hilft sehr. Der Prozess, einen Charakter fürs Rollenspiel zu entwickeln, ist nicht so anders als der, eine Romanfigur zu entwerfen. Durch die vielen Jahre, die ich jetzt schon Rollenspiel betreibe, bin ich es gewohnt, zwischen verschiedenen Figuren hin und her zu wechseln, Hintergrundgeschichten zu erarbeiten und mir Gedanken zur Motivation eines Charakters zu machen. Da entwickelt man sicher auch eine gewisse Routine mit der Zeit.

Du hast auf deiner Seite auch Leseproben zu zwei weiteren Projekten, Was kannst du uns darüber erzählen?

Klar, gerne. Mein nächster Roman „Unter einem Banner“ wird Anfang nächsten Jahres im Dead Soft Verlag erscheinen, es ist ein Low Fantasy Roman über Krieg, Pflicht, Schuld und die Beziehung zweier ungleicher Männer, die ihre Gefühle füreinander erst entdecken müssen. Es ist mein erstes Projekt mit queeren Hauptfiguren und ich bin schon sehr gespannt, wie es ankommt. Im Sommer wird dann der Verlag Ohneohren ein kleines Herzensprojekt von mir herausbringen. „Sand & Wind“ ist eine Mischung aus orientalischem Märchen, Verwechslungskomödie und Abenteuerroman, leicht, locker und humorvoll, aber nichtsdestotrotz spannend. Die Figuren sind mir sehr ans Herz gewachsen, deswegen freue ich mich schon sehr auf den Roman.

Augenblicklich ist der Nanowrimo wieder aktiv und du bist wieder dabei. Opfermond entstand beim letzten Nanowrimo?

Im Nanowrimo 2014, das war mein allererster Nano. Die Rohfassung von „Opfermond“ war zwar in 30 Tagen fertig, aber danach folge noch eine längere Phase der Überarbeitung, eine Testleserphase und schließlich natürlich Lektorat, Buchsatz und alles, was dazu gehört.

Wie läuft der Nanowrimo für dich so ab? Würdest du Schreibanfängern eine Teilnahme empfehlen?

Ich muss zugeben, ich konnte mir am Anfang überhaupt nicht vorstellen, einen Nano zu schreiben. Das Konzept, Wörter zu zählen, war mir völlig fremd, und das Ziel erschien mir utopisch. Aber dann habe ich es versucht und war begeistert. Ich denke, der Nano ist eine tolle Möglichkeit, Schreibroutine zu erarbeiten und sich voll und ganz auf den Roman zu konzentrieren, auch für Anfänger. Ich schreibe den Nanowrimo jedes Jahr im Tintenzirkel, da herrscht eine tolle, konstruktive Atmosphäre, man motiviert sich gegenseitig und macht sich Mut. Mich spornt der Nano damit jedes Mal zu Höchstleistungen an. In jedem Fall sollte aber der Spaß im Vordergrund stehen, nicht der Druck von 50.000 Wörtern.

Wie gehst du beim Schreiben vor? Planst du vor dem eigentlichen Schreiben, den Roman durch bzw. plottest du zuerst, oder schreibst du eher nach Gefühl?

Der klassische Fall von „weder noch“. Ich habe festgestellt, dass ich ein gewisses Grundgerüst für meine Geschichte brauche, einen Leitfaden, sozusagen. Außerdem brauche ich ein Gespür für meine Figuren und für das, was sie antreibt. Alles andere entwickelt sich während des Schreibens. Zu detailliert darf ich nämlich nicht vorausplanen, das nimmt mir den Spaß am Schreiben und die Freude, Neues zu entdecken.

Hast du ein schreibendes Vorbild?

Es gibt sehr viele Autorinnen und Autoren, die ich bewundere. Stephen King für sein Durchhaltevermögen, Sebastian Fitzek oder Wolfgang Hohlbein für ihre Produktivität und Patrick Rothfuss für seinen Umgang mit Sprache. Außerdem gibt es dann auch noch ganz viele, wunderbare Indie-Autorinnen und Autoren, deren Kreativität, Ehrgeiz und Ideenreichtum mich immer wieder beeindrucken.

Was liest du selbst gerne?

Sehr unterschiedlich, vor allem Fantasy, Thriller aber auch hin und wieder Horror oder Satiren. Ich mag ungewöhnliche Settings, komplexe Charaktere, die sich nicht klar in Gut oder Böse einteilen lassen, und unvorhergesehene Twists. Also genau das, worum ich mich auch in meinen Romanen bemühe.

Findest du, dass Schriftsteller einen gesellschaftlichen Auftrag haben, wenn ja, welche Botschaft möchtest du weitergeben?

Ja, auf jeden Fall. Als Autor oder Autorin sollte man sich immer Gedanken machen, welches Bild man den Lesern vermittelt, gerade bei sensiblen Themen. Was ich mich zu zeigen bemühe, ist, dass Menschen nicht immer einfach gestrickt sind, nicht gut oder böse, nicht schwarz oder weiß, sondern dass jeder eine Geschichte mitbringt, ein eigenes Schicksal, das sie oder ihn geprägt hat. Gleichzeitig hat aber jeder Mensch die Chance, sein Leben mit einer einzigen Entscheidung zu verändern – in die eine oder andere Richtung. Ich denke, diese Botschaft zieht sich durch alle meine Romane.

Das waren meine Fragen. Möchtest Du noch einige Worte an deine Leserschaft richten?

Danke, sehr gerne. Ich bin unheimlich gerührt und glücklich, wie positiv „Opfermond“ bei meinen Lesern angekommen ist. Vielen Dank für euer Feedback, es ist immer noch ein unglaubliches Gefühl zu erleben, dass tatsächlich Menschen mein Buch lesen und es mögen. Danke, dass ihr mir diese Erfahrung ermöglicht habt.

Vielen Dank für deine Bereitschaft Connie’s Schreibblogg, einige Fragen zu beantworten.

Sehr gerne. Vielen Dank für deine spanenden Fragen, liebe Connie, es hat Spaß gemacht, sie zu beantworten.

Zur Rezension von Opfermond

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