„Das Bild des Sisyphos“ und „Der Theaterdirektor“

Hallo liebe Mitlesenden!

 Ich möchte auch hier wieder darauf hinweisen, dass ich keine wissenschaftliche Abhandlung schreibe, sondern einfach nur Verständnishilfen aufzeige, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit haben.

Der erste Leseabschnitt hat mir persönlich viel Freude gemacht und ich hoffe, es ging euch genauso. Die Texte waren schwierig, desillusionierend, hoffnungslos und nicht einfach zu verstehen. Ich sagte ja schon, das erste Buch des Prosawerks hat es in sich. Vielleicht auch, weil Dürrenmatt noch nicht den Humor für sich, als Lösung entdeckt hat. Der Humor fehlt!

Der nächste Text: „Das Bild des Sisyphos“ bezieht sich auf die griechische Mythologie. Dürrenmatt kannte natürlich Albert Camus und seinen „Sisyphos“, den „man sich als einen glücklichen Menschen vorstellen muss“. Ich habe wieder ein wenig Begleitmaterial zusammengestellt. Schaut mal, ob ihr damit etwas anfangen könnt! Viel Spaß im Kosmos Dürrenmatt!

Wie immer, berufe ich mich auf die Biografien von Ulrich Weber und Peter Rüedi, Peter Spycher (Das erzählerische Werk) und Annette Mingels (Dürrenmatt und Kierkegaard). Zitate ohne Angabe sind aus der Biografie von Ulrich Weber entnommen.

Der Mythos des Sisyphos

Kleiner Ausflug in die Griechische Sagenwelt

Sisyphos war König von Korinth. Er soll 1400 v. Chr. gelebt haben und selbst die Stadt gegründet. Er war mit Merope, der Tochter des Atlas vermählt. Übrigens Sisyphos ist der altgriechische Namen und Sisyphus der lateinische Namen. Auch im Minotaurus bevorzugt Dürrenmatt für Daidalos, den griechischen Namen, statt des lateinischen Daedalus. Die Griechen waren ja auch zuerst da.

Sisyphos war intelligent, listig und kannte wenig Skrupel. Er betrog, stahl und überlistete die Götter. Als er dann noch Zeus (Jupiter) verraten hatte, der die Tochter des Flussgottes entführt hatte, war der Göttervater nun doch sehr erzürnt.

Thanatos, der Totengott, wurde von ihm in seinem Haus gefangen gehalten. Auf den Schlachtfeldern gab es keine Toten mehr. Zeus schickte nun den Kriegsgott Ares (Mars), der Thanatos befreite und Sisyphos gefangen nahm.

Im Hades, dem Totenreich konnte er wieder durch eine listige Lüge entkommen. Nun war Schluss mit lustig und Sisyphos wurde damit bestraft, in dem er in der Unterwelt einen großen Felsblock nach oben auf einen Berg wälzen musste, der oben angekommen dann immer wieder herabrollt.

Ich persönlich finde Sisyphos eine der schillerndsten Figuren der griechischen Mythologie. Ich mag ihn sehr. Er ist eben so unheimlich menschlich.

„Der Mythos des Sisyphos“ von Albert Camus

Wir alle kennen den Ausdruck „Sisyphusarbeit“. Eine ewig andauernde Tätigkeit, die kein Ende findet. Dazu fällt mir um es mal ganz salopp anzugehen, das Putzen ein.
Aber zurück zu Camus:
Albert Camus gehört zu den Existentialisten. Der Existentialismus beschäftigt sich mit Grunderfahrungen, Karl Jaspers nennt es später Grenzerfahrungen. Dazu gehören Leid, Krankheit, Tod und der Erfahrung von der Sinnlosigkeit des Daseins.

Ein kleiner Ausflug in den Existentialismus:

  • „Die Existenz geht der Essenz voraus.“ Es gibt einen wunderbaren Aufsatz von Jean Paul Sartre „Der Existentialismus ist ein Humanismus“, den ich nur empfehlen kann und der sich gut lesen lässt.
    Das bedeutet: Der Mensch ist nicht von einem Gott erschaffen, sondern er existiert einfach.
  • Die Existenz des Menschen hat keinerlei Sinn. Das Leben ist absurd.
    Gegenannahme: Christentum: Der Mensch ist von einem Gott erschaffen, zu einem Zweck: z. B. „er solle sich die Erde untertan machen.“ Der Mensch hat einen gottgegebenen Sinn.

Alber Camus sieht genau hier die Chance: Der Mensch wird aktiv und erkennt die Absurdität und Sinnlosigkeit seines Lebens. Dadurch wird er autonom. Er wird zum Herrn seines eigenen Schicksals. Er verleugnet die Götter und verachtet sie. Er wird zum Herrn seines eigenen Schicksals. Mein Mann sagt immer: Sisyphos ist frei, weil es sein eigner Stein ist, den er den Berg hochschiebt. Er entscheidet in welcher Geschwindigkeit und mit wieviel Kraft er das macht.. Und dann in dem Moment wenn der Stein oben angekommen ist, beginnt die Freiheit, der Stein poltert wieder ins Tal und Sisyphos läuft, rennt oder schlendert, ganz wie er selbst das möchte, dem Stein hinterher, um unten angekommen, seine Arbeit wieder von vorne zu beginnen.


Sisyphos steht für den Menschen Wir selbst müssen unserem Leben einen Sinn geben. Es gibt keinen Gott. Wir sind für uns selbst verantwortlich.

Albert Camus beendet seine Schrift mit den Worten:

„Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Creatio ex nihilo

Vereinfacht gesagt, bedeutet es, die Schöpfung aus dem Nichts. Hier bekommt jeder Naturwissenschaftler Bauchschmerzen. Es gibt naturwissenschaftlich gesehen, keine Schöpfung aus dem Nichts. Es war schon etwas zuvor da. Selbst eine Erfindung ist keine Schöpfung aus dem Nichts. Hierzu empfehle ich, „Erkenntnis und Schönheit“ von Ian McEwan. Der Autor erklärt, dass jede Erfindung nur eine Verbesserung des schon davor gewesenen Produktes oder nennen wir es einfach, des „Dings“ ist.

Zur Rezension „Erkenntnis und Schönheit“

Das war es erst einmal wieder. Ich freue mich auf euch und bin immer für Anregungen offen.

Weiter zu

Projekt Dürrenmatt
Rezension „Friedrich Dürrenmatt“ von Ulrich Weber
Überblick Prosawerk
Zur Facebook Lesegruppe
Zum „Dürrenmatt-Verlag“

Connie Ruoff Schreibblogg Literaturblog

Aktuelle Beiträge

Newsletter abonnieren

Buchblogger-gegen-rechts
Scroll to Top
%d Bloggern gefällt das: