Die Maske Fumihiro Nakamura

„Die Maske“ von Fuminori Nakamura

Die Maske Book Cover Die Maske
Fuminori Nakamura
Romane
Diogenes
28.02.2018
Fester Einband
352 Seiten

1. Klappentext

Die mächtige japanische Kuki-Familie folgt einer menschenverachtenden Tradition: der jeweils jüngste Sohn wird dazu erzogen, das Böse über die Menschheit zu bringen. Und so erhält Fumihiro eine Ausbildung, deren Ziel Zerstörung und Unglück ist, so viel ein einzelner Mensch nur vermag. Doch er hat andere Pläne: Fumihiro liebt das Waisenmädchen Kaori und will sie beschützen – und damit wird sein eigener Vater zu seinem schlimmsten Feind

„Die Maske“ von Fuminori Nakamura

2. Zum Inhalt

Der japanische Schriftsteller Fuminori Nakamura erzählt uns eine Geschichte, die ihresgleichen sucht.

Es ist die Geschichte eines alten desillusionierten und überdrüssigen Mannes, der als Vermächtnis Schrecken und Terror in der Welt zurücklassen möchte, um seine Macht zu demonstrieren.

Es ist die Geschichte eines Kindes, das mit elf Jahren seiner Kindheit beraubt wird und das  letztendlich in einem Drama die Hauptrolle spielt. Der Vater inszeniert dieses Drama, indem er ein junges Mädchen adoptiert und der Natur ihren Lauf lässt.

Fumihiro liebt Kaori, die von seinem Vater missbraucht wird. Schnell erkennt Fumihiro, dass die Hölle, die ihm sein Vater zeigen will, mit Kaori zu tun hat. Er will seine erste Liebe schützen und entwirft Pläne, seinen Vater zu töten.

Fumihiro lebt mit dem Wissen, für das Böse bestimmt zu sein. Kann er aus dieser Rolle ausbrechen? Und zu welchem Preis?

Als ein schreckliches Highlight des Romans, empfand ich die Szene im Keller, als sich Fumihiro seinem Vater entgegenstellt und er erkennt, dass auch dieser Schritt zum Plan seines Vaters gehört. Er kommt nicht aus diesem Fahrplan raus.

„Verfluche das Glück! Menschen, die einen Menschen getötet haben, können unmöglich wieder vollkommen werden. Aber ganz böse, das geht. Das ist dein Lebensweg!

Das Höllenfeuer ist eine lodernde teuflische Kraft, die alles Glück in der Welt zerstört. Sich ihr hinzugeben bedeutet ein unvergleichliches und berauschendes Vergnügen – wenigstens für einen kurzen Moment.“

Der Vater wird von seinen nihilistischen und zerstörerrischen Gedanken zerfressen und geht unter mit der Hoffnung, die Familientradition mit Fumihiro weiter getragen zu haben.

Fumihiro, der seinem Vater äußerlich immer ähnlicher wird, hat Angst, es auch innerlich zu werden. Er lässt sich operieren, hat nun das Gesicht eines Toten und nimmt dessen Identität an. Fumihiro, die Spielfigur seines Vaters, ist zerstört. Er hat sich seinem Schicksal entzogen.

Sicherlich ist es auch als Gesellschaftskritik zu lesen. Firmen, die durch Krieg und Waffen ein hohes Einkommen erzielen,

Diese Thematik, das „in der Rolle bleiben“, finden wir auch bei Haruki Murakami, sei es in 1Q84 oder Naokos Lächeln.

Ich glaube, besonders in Asien hat das eine große Bedeutung,

5/5 Punkten

3. Sprachliche Gestaltung

Schon im Prolog erfahren wir, zu welchem Zweck Fumihiro gezeugt wurde. Das war für mich, wie ein Granateneinschlag. Kann ein Mensch den Willen haben, das Böse in die Welt zu setzen und sein eigenes Kind damit zu instrumentalisieren? Ich musste wissen, wie die Geschichte weitergeht. Ich war gefesselt.

Dem Autor gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, die dem Leser den Atem raubt. Es ist nicht alleine diese Unausweichlichkeit, sondern auch die Hilflosigkeit von Fumihiro und Kaori, die ich selbst beim Lesen empfand. Trotzdem hofft der Leser, dass es noch ein einigermaßen gutes Ende nimmt. Am meisten hat mich dabei beeindruckt, wie der Autor dem Leser diese unglaubliche Macht des Vaters vorführt. Das ist „Show it,  don’t Tell it“ vom Allerfeinsten.

Der Roman spielt in einem Milieu des Kriminellen: Zuhälter, Mafia, korrupte Polizisten und Kriegstreiber. Der Krieg als Wirtschaftsmotor.

Das Buch ist aus der Sicht Fumihiros und in der Ichform geschrieben. STOP! Eigentlich erzählt Schintani, die Identität seines neuen Gesichts. Er erzählt aus der Gegenwart (aus der Figur Schintani) von der Vergangenheit Fumihiros.  Mit seinem neuen Gesicht hat er Fumihiro abgelegt (Nihilismus?) Trotz der Ichform kommt das Geschehen nüchtern beim Leser an – geradezu emotionslos distanziert. Zumindest erging es mir so. Der Roman wird dem japanische Genre Noir zugeordnet.

5/5 Punkten

4. Cover und äußere Erscheinung

„Die Maske“ von Fuminori Nakamura, aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg, hat 352 Seiten, einen Festen Einband und ist am 28.02.2018 unter der ISBN 9783257070217 bei Diogenes im Genre: Romane erschienen.
Das Covermotiv ist ein Foto von Dan Winters. Ja! Ein schönes Motiv!

Aber warum ein Weißkopfseeadler?

Ich recherchierte über Dan Winters und über den Weißkopfseeadler. Dieser Adler hat eine lange Lebensdauer. Er hat außer dem Menschen keine natürlichen Feinde. Und er ist das Symbol der USA. Einem freiheitsliebenden Land. In Europa ist der Adler das Symboltier für Herrschaft, in Japan ist es der Drache.

Ich glaube, der Weißkopfadler steht hier für Fumihiro, der aus seinem Schicksal „aussteigt“, die Identität eines Anderen annimmt und dessen Leben kopiert. Er allein hat es in der Hand, in welche Richtung die Zukunft geht. Wobei es bestimmt unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten gibt.

5/5 Punkten

5. Was sagt Fuminori Nakamura selbst zu seinem Buch „Die Maske“?

Der japanische Bestsellerautor Fuminori Nakamura im Gespräch

6. Papego

Diogenes nimmt mit diesem Buch am Papego Verfahren teil. Der Leser hat die Möglichkeit durch eine kostenlose App, das gedruckte und das digitale Buch zu lesen. Der Leser wählt zwischen Print und eBook.

Das funktioniert so: Der Leser scannt die aktuelle Seite ein und die App öffnet die nächsten 100 Seiten. Die Darstellung ist minimalistisch – aber ausreichend. Ich lese tagsüber gerne Print – aber abends im Bett lieber digital. Man braucht kein Licht und stört den Partner nicht. Dafür gebe ich 6 von 5 Punkten. Einfach genial!

Voraussetzung ist, dass die Verlage ihre Bücher für Papego freigeben. Als Kennzeichen liegt eine weiße Postkarte mit dem Schriftzug „Diogenes“ und „Lesen Sie jetzt, wie Sie wollen“ bei.

Es ist trotzdem kein eBook, sondern nur ein max. 25%iger Auszug daraus..

7. Fazit

Friedrich Nietzsche sagt in „Jenseits von Gut und Böse“:

„Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“.

Das Buch „Die Maske“ füllt dieses Zitat mit Leben. Ein Buch, das fasziniert und gleichzeitig Ekel hervorruft. Es ist ein Buch über menschliche Abgründe und auch als Warnung zu verstehen, sich nicht in eine Rolle pressen zu lassen, sondern sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Ich werde den ersten Roman von Fuminori Nakamura „Der Dieb“ auf meine Leseliste setzen. Nakamura ist ein Autor, der bestimmt noch einiges zu sagen hat. Sicherlich erinnert er an Haruki Murakami, weil beide Kritik an der japanischen Gesellschaft üben. Beide weisen darauf hin, dass Japan eine sehr hohe Selbstmordrate hat. Menschen verzweifeln an den Ansprüchen der Gesellschaft.

Wie schon gesagt, werde ich von Fuminori Nakamura weitere Werke lesen. Ich kann ihn nur empfehlen! „Die Maske“ ist ein einzigartiges Buch.

@diogenes
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

 

Weiterführende Informationen

Verfilmung

Akut o Kamen no Ruru (Die Maske)
Regie: Teppei Nakamura. Mit Hiroshi Tamaki und Yûko Araki.
Kinostart Japan: Anfang 2018

 

Deutsche Übersetzung der offiziellen japanischen Seite Fuminori Nakamuras

 

Diogenes Fuminori Nakamura

Feullieton FAZ

WDR Kultur

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Auch rezensiert von:

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Letterheart

Sarah Ricchizzi

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