„Die dunkle Seite des Mondes“ Martin Suter (Rezension)

Ein Martin Suter mit menschlichen Abgründen

Keine leichte Lektüre! Mit einem Protagonisten, der in die Prosa Dürrenmatts gepasst hätte. Urs Blank – ein Nihilist par excellence.

Martin Suter schrieb «Die dunkle Seite des Mondes» als zweiten Band der «neurologischen Trilogie. Dazu gehören die Romane «Small World» (1997) und «Ein perfekter Freund» (2002). Literaturgeschichtlich kann man den Roman der Postmoderne zuordnen.

Die letzten Monate habe ich mich intensiv mit Friedrich Dürrenmatt und seiner Prosa auseinandergesetzt. Bei der Sucher nach etwas leichtere Lektüre, fand ich das Buch von Martin Suter, dessen Titel mich faszinierte. Ich hatte von Suter bislang nur die Allmen Reihe gelesen. 

Zusammenfassung/Inhalt «Die dunkle Seite des Mondes»

Der 45-jährige Wirtschaftsanwalt Urs Blank ist an einem Punkt im Leben, an dem er gelangweilt auf sein Leben schaut. Er lernt Lucille kennen, deren hippiehaftes Leben ihn neugierig macht. Zusammen mit Lucilles Freunden nascht Blank psychoaktive Pilze. Aber der Trip gerät aus dem Ruder. Blank wird zu einem gewissenlosen gewalttätigen Mann. Er empfindet weder Empathie für seine Opfer noch schämt er sich für sein Verhalten. Er lebt nach seinen eigenen Gesetzen.

Blanks Leben wird bestimmt von der Suche, ja fast schon Jagd, nach diesem besonderen Pilz, der seine Veränderung bewirkt hat. Dabei verliert er jegliche Bodenhaftung und erliegt der Anziehungskraft, die der Wald auf ihn ausübt. Um unbehelligt im Wald leben zu können, täuscht er seinen Tod vor.

Als er endlich seinen Pilz gefunden hat, versucht er die Persönlichkeitsveränderungen durch einen weiteren Trip rückgängig zu machen. Das gelingt aber nur teilweise. Er wird entdeckt, und der Jäger wird zum Gejagten.

Martin Suter erzählt die Geschichte, die in der Schweiz im Raum Zürich spielt, in zwanzig Kapiteln. Sie beginnt im Frühjahr und endet im November. Wie im Film wechselt der Autor Ort und Perspektive. Der Spannungsbogen bleibt durch die Geschwindigkeit der Ereignisse hoch.

Worum geht es in «Die dunkle Seite des Mondes»?

Die Geschichte ist komplex und enthält mehrere Handlungsstränge, die zahlreiche Interpretationsansätze bieten.

Wenn wir die Hauptperson Urs Blank betrachten, müssen wir ihn sozusagen, in Dr. Jekill und Mr. Hyde spalten; vor dem Trip und nach dem Trip.

Der ehemals gepflegte, erfolgreiche und souveräne Geschäftsmann, der alles unter Kontrolle hat, vernachlässigt sein Äußeres, sein Geschäft und sein soziales Umfeld. Nach dem Trip ist er ein Raubtier ohne Moral.

Sein Gegenspieler ist ein 63-jähriger Jäger und Spekulant, der keine Achtung vor dem Leben oder den Menschen hat. 

Blanks Verbündete sind ein befreundeter Psychiater und der Wald.. Im Wald fühlt sich Blank geborgen, angenommen und bestätigt.

Der Einfluss der beiden Frauen, verliert immer mehr an Bedeutung.

Evelyne, eine 38-jährige Geschäftsfrau mit der Blank seit einigen Jahren zusammenlebt, steht mitten im Leben und bemerkt, dass Blank sich verändert hat.

Lucille ist Mitte zwanzig, kennt sich mit Drogen aus und führt ein unabhängiges und alternatives Leben.

Der Roman ist vielleicht am besten mit dem Genre Psychothriller vereinbar. Aber auch der Aspekt Wirtschaft spielt eine große Rolle. Vor allem die fehlende Moral und der «Raubtierkapitalismus»  in der Wirtschaft spielen eine Rolle.

Aber die größte Rolle spielt vielleicht Blanks innerer Konflikt. Vor dem Trip war er gesättigt, vielleicht sogar seines Lebens überdrüssig. 

Fazit/Kritik «Die dunkle Seite des Mondes»

«Die dunkle Seite des Mondes» hat rein gar nichts mit Suters Allmen Reihe zu tun. Während Allmen die Leser*innen die meiste Zeit schmunzeln lässt, zeigt Suter hier ein Gespür für Protagonisten mit psychologischen Auffälligkeiten und dramatisches Geschick, die Spannung bis zum Ende hochzuhalten. Und dieser Titel des Pink Floyd Albums passt sehr gut. Sicherlich hat diese Musik schon den einen oder anderen psychedelischen Trip begleitet.

Die Geschichte hat mich berührt. Ich kann nicht sagen, ob mir Urs Blank sympathisch ist. Seine Geschichte ist aufregend. Ich war fassungslos, fiktiv mitanzusehen, wie er einen kleinen Kater und Menschen, die seinen Weg kreuzten, ohne Mitgefühl tötete. Hier trifft der Ausdruck, aus dem Weg räumen, genau zu. Sie waren Blank im Weg.

Ich fand das Buch auf jeden Fall lesenswert. Es zeigt, wie nah der Abgrund sein kann. Der Abgrund, der einen Menschen verschlingen kann. 

Ich bin gespannt auf die zwei weiteren Teile der neurologischen Trilogie.


„Die dunkle Seite des Mondes“ Martin Suter

"Die dunkle Seite des Mondes" von Martin Suter
Taschenbuch
320 Seiten
am 30. November 2001 erschienen

Links zum Buch

Martin Suters Blog

Der Autor beim Diogenes Verlag

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Martin Suter : Die dunkle Seite des Mondes | Dieter Wunderlich

Die Rezension von Booknerds.de bezieht sich auf den Film „Die dunkle Seite des Mondes“, Rezension | Die dunkle Seite des Mondes | booknerds.de

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Connie Ruoff

Mein Name ist Connie Ruoff, ich bin 1960 geboren, habe Philosophie und Germanistik studiert und bin jetzt in der "Schule des Schreibens" eingeschrieben. Ich wohne in Hessen. Ich lese alles, was ich finden kann.

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