1. „Hamlet oder die lange Nacht hat ein Ende“ von Alfred Döblin

Essay zu „Hamlet oder die lange Nacht hat ein Ende“ von Alfred Döblin

 

Alfred Döblin studierte Medizin in Berlin und Freiburg i. Br.. Zur gleichen Zeit (1900-1905) begann er seine literarische Laufbahn, Anfang des 19. Jahrhunderts zählte er zur Berliner Moderne. Sein schriftstellerischer Werdegang begleitete zeitlebens seine berufliche Karriere. Die Werke Alfred Döblins lassen sich keineswegs ohne Betrachtung seiner Person wirklich verstehen und interpretieren. Er hatte den gleichen beruflichen Werdegang wie Sigmund Freud. Auch er entschied sich für die psychiatrische Fachrichtung der Medizin. Durch sein therapeutisches bzw. psychiatrisches Fachwissen war es ihm sicherlich möglich, manche psychologische Werkgestaltung eindringlicher darzustellen..

„Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende“ ist der letzte Roman Döblins. „Er ist sein Vermächtnis, das schrecklich-wunderbare Meisterwerk des Christen Döblin.“ Muschg spielt hier darauf an, dass Gordon Allisons Geschichte auch ein bisschen die Geschichte Alfred Döblins ist. Sein Weg zum Christen.

 

„Die eingelegten Geschichten sind nicht in sich abgeschlossen, sondern spiegeln die Wirklichkeit des Hauses Allison und diese Wirklichkeit wird ihrerseits mittels der erzählten Geschichten durchleuchtet, so dass sich die Handlung gleichzeitig auf mehreren Ebenen abspielt: als reales Geschehen, als eingeschobene Parabel und als innerer Monolog oder Dialog der Beteiligten.“

Die vorliegende Arbeit möchte nun zum einen überprüfen inwieweit die klassische Hamletproblematik auch bei Döblin greift, vorhandene Interpretationen übernommen werden können und zum anderen anhand der Figur Gordon Allisons durch einen Vergleich der unterschiedlichen Eigen- bzw. Fremdschilderung in einem Psychogramm den Wandel von einer dionysischen zu einer apollinischen Einheit nachzeichnen und die relevanten Stationen herausheben. In seiner Geburtstagsrede für Freud sagt Döblin: „Es gehe eine gerade Linie von Goethe zu Freud.“ Beide haben die dionysisch-apollinische Gestalt. Freud ist ausgegangen das Unbewusste zu entdecken und formt es zum apollinischen.

Genauso verfährt hier Döblin selbst. Deswegen soll insbesondere auf die Zusammenhänge zwischen dem Schriftsteller Döblin und dem Psychotherapeuten Freud eingegangen werden. Döblin war ein Anhänger Freuds und dies lässt sich hier an der Textvorlage beispielhaft aufzeigen.
Die Wahl fiel auf die Person Gordons, weil sie sehr komplex aufgebaut wurde. Gordon ist sicherlich nicht der Hauptdarsteller, aber ein wichtiger Nebendarsteller. Anhand seiner Person lassen sich bedeutende freudianische Thesen, die Döblin aufgegriffen hat, nachzeichnen.

 

Der Hauptteil der Arbeit gliedert sich in fünf Teile: Im ersten Teil soll die Beziehung Döblin und Freud näher betrachtet und hinterfragt werden. Hierzu sollen als Textzeugen die kleinen Schriften von Döblin dienen. Der zweite Teil skizziert die Hamletproblematik und erläutert, warum diese hier angewendet werden kann. Der dritte Teil geht auf die Funktion der Geschichtenerzählung ein. Die Parallelen bzw. Zusammenhänge zwischen einer Psychoanalyse, Traumdeutung und der im Roman angewendeten Geschichtenzählung werden hergeleitet und mithilfe Freuds Schriften belegt.

 

Das Psychogramm Gordon Allisons wird im vierten Teil erstellt. Durch seine Handlungen, Phantasien und den Identifikationen des Gesprächskreisen wird versucht ein Gesamtbild zu erstellen. An diesem Bild wird dann im fünften Teil der Wandel vom apollinischen zum dionysischen vollzogen. Hierbei wird auch auf Nietzsche zurückgegriffen. Diese fünf Hauptpunkte werden vorwiegend auf Gordon Allison fokussiert. Die weiteren Personen werden nur insoweit berücksichtigt, als es zum Verständnis dient und nötig ist.
Die Textvorlage wird als bekannt vorausgesetzt. Die zum Verständnis wichtigen Passagen werden in Anführungszeichen zitiert. Als Interpretationshilfe soll das Organon von Freud dienen.

 

Abschließend sollen im Schlussteil als Resümee die zuvor gefundenen und aufgeworfenen Fragen und Probleme kritisch beleuchtet und soweit möglich einige der herausgearbeiteten Lesarten als Lösungen angeboten werden. Sicherlich können mit der vorliegenden Arbeit nur einige weitere Lesarten angeboten werden, die keinesfalls Vollständigkeit beanspruchen. Eine Bewertung der angebotenen Lesarten wird erst in den Schlussgedanken erfolgen um diese zu einer Ganzheit zusammenzuführen.

 

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