magret kindermann

Interview mit Magret Kindermann am 12.04.2018

Liebe Magret,

vielen Dank, dass du uns heute ein wenig von dir und deinen Büchern erzählst und wir dich besser kennenlernen dürfen!

 

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  1. Ich habe „Zwei Königinnen“ gelesen und war begeistert, mit welcher Präzision du aus einem gemeinsamen Bewusstsein zwei Individuen entwickelt hast. Gehören Philosophie und Psychologie zu deinen Hobbys?

 

Nein. Ich finde das Konstrukt Mensch spannend und mit diesem Hintergrund interessiere ich mich auch für Philosophie und Psychologie. Beides sind Instrumente, um besser zu verstehen, meine Figuren und mich. Geschichten, die nicht offen für diese beiden Wissenschaften sind, interessieren mich nicht.

 

 

  1. Ist „Zwei Königinnen“ dein Debütroman? Hast du davor schon geschrieben? Und warum hat dich diese Idee so gepackt, dass du sie zu einem Buch werden lassen hast?

„Zwei Königinnen“ ist mein Debüt, ja. Ich habe zuvor schon geschrieben und wollte auch immer „irgendwann mal ein Buch schreiben“. Mit diesem Gedanken schrieb ich wohl auch die Idee mit dem Teleportationsunfall auf einen Notizzettel. Als ich dann begriff, dass ich nichts zu verlieren habe und das Buch sofort schreiben sollte, fand ich die zwei Sätze in meinen Unterlagen wieder. Es war gutes Timing. Und wahrscheinlich auch purer Zufall, dass es diese Idee wurde und keine andere.

 

 

  1. Dürfen sich deine Leser auf eine neue Margret Kindermann freuen? Ich habe gesehen, dass gerade „Tulpologie“ herausgekommen ist. Möchtest du uns Tulpologie kurz vorstellen?

 

Nicht ganz, die „Tulpologie“ kam schon Anfang Oktober 2016 raus. Ich denke, man erkennt klar, dass alles von mir aus einer Feder stammt. Aber ich habe mich weiterentwickelt, vor allem sprachlich. Bei meinem Debüt hatte ich noch das Gefühl, Regeln finden zu müssen, wie man einen Roman schreibt. Jetzt verlasse ich mich mehr auf mein Bauchgefühl und das merkt man. Die „Tulpologie“ ist viel luftiger. Das Buch, das jetzt gerade rauskam, heißt „Und dein Leben, dein Leben“. Darin lernen wir Carmen kennen, die selbst viele Monster in sich trägt und keine intensiven Gefühle erleben kann bis auf die Angst. Deswegen sucht sie immer wieder furchteinflößende Situationen. Ein Serienmörder wird auf sie aufmerksam und sucht sie auf. Ein Großteil der Geschichte ist die Konversation zwischen den beiden.

 

 

  1. Warum schreibst du?

Wahrscheinlich weil ich es gut kann und es ein gutes Gefühl ist, zu tun, was man gut kann. Und darin besser zu werden. Wenn ich lange nicht schreibe, werde ich aber auch grauer, habe ich gemerkt. Ich möchte nie wieder ein Leben führen, in dem ich nicht schreibe.

 

 

 

  1. Wie gehst du beim Schreiben vor? Planst du vor dem eigentlichen Schreiben, den Roman durch bzw. plottest du zuerst, oder schreibst du eher nach Gefühl?

 

Ich plotte wenig. Meistens schreibe ich mir am Ende des Manuskripts ein paar Stichpunkte zu den nächsten Szenen. In „Und dein Leben, dein Leben“ kannte ich dazu detailliert die letzte Szene, aber nichts dazwischen. Ich mag es, mich von meinen Figuren überraschen zu lassen. Für mein jetziges Projekt brauchte ich für eine Bewerbung einen groben Plot und ich habe es gehasst. Er ist auch nicht so gut, weil er verkopft ist. Erst durch das Schreiben bekommt der Inhalt Seele.

 

 

 

  1. Hast du ein schreibendes Vorbild?

 

Mein erstes Vorbild, was das Schreiben betrifft, war Milan Kundera. Ich liebe es, wie er in „Die Unsterblichkeit“ den Roman mit sich selbst beginnt, wie er eine Handbewegung einer alten Dame beobachtet und daraus der Roman geboren wird. Die Entstehung des Romans ist Teil davon und trotzdem wirkt alles daran echt. Es ist großartig. Kafka schätze ich vor allem dafür, dass er es schafft, kein einziges Wort zu verschwenden. Seine Symbolkraft ist einmalig.

 

 

 

  1. Und jetzt die wichtigste aller Fragen: Was ist dein aktuelles Projekt? Was möchtest du uns darüber erzählen? Ich will alles wissen! Hihi

 

Ich schlage gerade einen völlig neuen Weg ein und versuche mich an Young Adult mit Zombies. Das war ursprünglich eine Kurzgeschichte, die sehr offen endete, für die Anthologie Nikas Erben. Die Testleser und meine Lektorin waren so sauer auf mich, dass ich die Geschichte zurückzog und nun ausbaue. Die Grundidee ist platt und nichts Neues: Fast alle sind zu Zombies geworden und die 18-jährige Bea glaubt, sie sei die letzte Überlebende. Dann trifft sie auf Simon, den Hipster-Schwarm aus ihrer Schule. Für mich liegt der Reiz darin, das Gefühl wirklich greifbar zu machen: Du bist alleine, du hast alles verloren. Du wirst niemals Thailand sehen, niemals studieren und ein normales Leben führen. Du hast keine Ahnung, wie man überlebt und kämpft. Und was jetzt?

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  1. Was liest du selbst gerne?

 

Ich brauche Literatur, die überrascht, mutig ist und etwas mit mir macht. Theoretisch bin ich offen für alle Genres, aber ich tue mir etwas schwer mit Fantasy. Viele Autoren verstecken sich hinter Schlachten und Fähigkeiten und Magie. Das Menschliche sollte nicht vergessen werden. Und ich mag Skurriles. Amélie Nothomb trifft für mich zum Beispiel immer ins Schwarze.

 

 

  1. Welches Buch hat dich am meisten beeindruckt?

 

In kürzester Zeit vor allem ein Buch: „Nach einer wahren Geschichte“ von Delphine de Vigan. Sie schreibt herrlich subtil. Es scheint harmlos, aber dich packt das Grauen. Es spielt mit Fiktion und Wahrheit. Ich habe lange nichts Vergleichbares gelesen. Es ist Kunst.

 

 

 

  1. Findest du, dass Autoren einen gesellschaftlichen Auftrag haben, wenn ja, welche Botschaft möchtest du weitergeben?

 

Nein. In erster Linie schreibe ich, was ich möchte, und ich finde nicht, dass man einen Autor politisieren sollte. In meinem neuen Buch sympathisiere ich zum Beispiel mit einem Serienmörder. Finde ich das ok? Natürlich nicht! Wenn ich eine Botschaft habe, dann vielleicht die: Nimmt euch alle nicht so verdammt ernst!

 

 

Liebe Magret, vielen Dank für Deine Geduld! Das waren meine Fragen. Möchtest Du noch einige Worte an deine Leserschaft richten?

 

Für mich gehört zum Schreiben auch immer das Gelesenwerden. Erst dann wird eine Geschichte wirklich lebendig. Daher bin ich unheimlich froh und stolz über jeden Leser.

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 Vielen Dank für deine Bereitschaft Connie’s Schreibblogg, einige Fragen zu beantworten.

 

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