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„Supermacht Wissenschaft“ von Lars Jaeger

Die Menschheit als Schrödinger’s Katze

1. Klappentext

»Zukunft? Wir sind mittendrin – wir wissen es nur noch nicht.« (Lars Jaeger) Fleisch aus 3D-Druckern, Roboter so klein wie Viren, künstlich hergestelltes Leben – bislang formte der Mensch die Natur nach seinem Willen. Doch die modernen Technologien können den Spieß auch umdrehen: Sie formen den Menschen. Algorithmen, die über Leben und Tod entscheiden, Eingriffe in die Genetik und künstliche Intelligenz definieren menschliches Leben neu. Unser Alltag, unsere menschliche Existenz ändern sich radikal.

Die Frage ist: Wollen wir diesen Epochenwandel? Nur, wenn wir verstehen, was gerade um uns herum und mit uns passiert, bleiben wir mündig! Ein aufrüttelndes Buch, das aufklärt und Orientierung gibt.

2. Zum Inhalt

Lars Jäger zeigt in seinem Buch „Supermacht Wissenschaft“, die Gefahren einer unbeobachteten freien Wissenschaft auf. Ich möchte dazu einige Worte von Stephen Hawking beifügen:

Ein Atomkrieg, die Erderwärmung, durch Gentechnik erzeugte Viren und Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie gehörten zu den existenziellen Gefahren, sagt Hawking in einer BBC-Vortragsreihe, deren erster Teil am 26. Januar ausgestrahlt wird. Es ist nicht das erste Mal, dass der Astrophysiker mahnt – und zugleich einen Ausweg aufzeigt.

Das Risiko einer Katastrophe auf der Erde in einem bestimmten Jahr sei zwar gering, aber für die nächsten 1000 oder 10.000 Jahre „beinahe Gewissheit“, sagt Hawking. Seine Botschaft: „Bis dahin sollten wir uns ins All ausgebreitet haben und zu anderen Sternen, so dass ein Desaster auf der Erde nicht das Ende der Menschheit bedeuten würde.“ Da man in den kommenden 100 Jahren aber noch nicht so weit sein werde, müssten die Erdbewohner in dieser Zeit „sehr vorsichtig“ sein.

(https://www.welt.de/wissenschaft/article151197869/Stephen-Hawking-sieht-Menschheit-in-groesster-Gefahr.html)

Genau darum geht es Lars Jäger. Der Autor zeigt die Gefahren auf und warnt vor unserem unbekümmerten Umgang mit wissenschaftlichen Fortschritt.

Es ist ja nicht so, dass der Mensch sich nicht informieren kann, aber es gehört nicht zum Mainstream. Die Einschaltquote für wissenschaftliche Sendungen ist wohl kaum so hoch wie bei Super-Model-Shows oder Bundesligaspielen. Und das liegt an uns selbst.

Wissenschaft ist im Zusammenhang mit Ethik oder Moral ein brisantes und schwieriges Thema.

Viele medizinische Errungenschaften sind phänomenal, aber viele militärische Forschungen rauben mir den Glauben an die Zukunft. KI tötet mithilfe der Drohnen durch Algorithmen ausgewählte Ziele.

Ja die Bedrohung des Fortschritts ist allgegenwärtig. Die Neuerungen oder technischen Errungenschaften sind ja nicht böse, sondern der Mensch ist die Schwachstelle, so lange bis wir eine KI oder einen Robot die Entscheidungen übergeben. Dann entscheiden Algorithmen.

Ein Mensch kann wenigstens noch über Ethik und Moral nachdenken, und diese Gedanken in die Entscheidung einbringen.

Eine lernfähige/r KI oder Robot entscheidet selbst, welchen Stellenwert er entsprechenden Überlegungen zuspricht, falls er sie überhaupt in Betracht zieht, auch wenn er zu Beginn Moral und Ethik in irgendeiner Weise programmiert bekommen hätte. Wenn er lernfähig ist, in welcher Richtung mag er sich entwickeln?

5/5 Punkten

3. Sprachliche Gestaltung

Lars Jäger gelingt es, den Text verständlich zu halten und, die Probleme anschaulich zu vermitteln. Der interessierte Leser findet in 180 Fußnoten, einem ausführlichen Literaturverzeichnis und dem Register, benutzte Quellen und weiterführende Literatur.

5/5 Punkten

4. Cover und äußere Erscheinung

„Supermacht Wissenschaft“ von Lars Jaeger  hat 320 Seiten, einen festen Einband und ist am 28.08.2017 unter der ISBN 9783579086828 im Gütersloher Verlagshaus im Genre Sachbuch erschienen und kostet 22,99 €.
Das Cover ist in Mintgrün/Schwarz mit weißer Schrift gestaltet. Eine Grafik zeigt einen kleinen Menschen, der aus einer großen Hand springt.

5/5 Punkten

5. Fazit

Das Buch trifft den Puls der Zeit. Drohnen, die töten, das Ziel durch Algorithmen ausgewählt. Ein transhumaner Mensch, wie aus einem Fantasysetting der Shadowrun-World entsprungen.

Man könnte dieses Buch problemlos an Schriftsteller und Autoren verkaufen, die nach Motiven, Setting oder einem Plot für ihre Dystopie suchen. Hier wird der Leser vor zahlreichen Endzeitszenarien gewarnt. Der Unterschied zur Dystopie ist die Realität.

Oder flapsig gesagt: Augenblicklich können wir die Entwicklung der Menschheit als eine Art „Schrödinger’s Katze“ sehen. Die Menschheit lebt weiter – die Menschheit stirbt aus. Entscheiden wird der Mensch, durch seinen Umgang mit der Forschung. Auch wenn die Wissenschaften durch das Grundgesetz (Artikel 5 III) geschützt sind, müssen wir eine Kontrolle behalten. Die Forschung ist die Giftphiole. An uns liegt es, ob die Giftphiole zerbricht. Leider handelt es sich beim Aussterben der Menschheit um kein Gedankenexperiment.

@Lars Jäger Vielen Dank für das interessante Rezensionsexemplar! Die Leserunde bei lovelybooks hat viel Spaß gemacht.

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

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