„Das rote Notizbuch“ von Paul Auster

„Das rote Notizbuch“ von Paul Auster

Das rote Notizbuch“ von Paul Auster (Rezension)

Zum Inhalt „Das rote Notizbuch“

 

„Das rote Notizbuch“ von Paul Auster ist eine Sammlung von kurzen Geschichten, von denen keine länger als zehn Seiten ist. Es sind Erlebnisse aus dem „Real Life“ des Autors oder seinem Umfeld.

 

Bei der Recherche stieß ich auf den Text „Ein Leben in Worten“ von Paul Auster – Ein Gespräch mit Inge Brigitte Siegumfeldt“. Frau Siegumfeldt ist Professorin für Literaturwissenschaft in Kopenhagen und hat für eine Studie über Paul Austers Werk, über eine Dauer von drei Jahren, mit dem Autor intensive Gespräche zu den einzelnen Büchern geführt und in diesem Text niedergeschrieben. Auch „Das rote Notizbuch“ wurde besprochen.

 

Paul Austers Gedanken zu „Das rote Notizbuch“

 

Paul Auster bezeichnet „Das rote Notizbuch“ als ars poetica.

Für den Autor zeigen diese Texte die „Mechanik der Realität“, er stellt fest, dass es seltsame Überschneidungen von Ereignissen geben kann, die wir manchmal als „schicksalhaft“ bezeichnen.

Es sind Geschichten, die man durchaus unterschiedlich interpretieren kann. Manche Deutungen schließen sich gegenseitig aus, dennoch sind beide gleich wahr. 

Paul Auster erzählt in „Das rote Notizbuch“ Geschichten, die nicht in der Phantasie entstanden sind, sondern reale Erlebnisse sind. Er zeigt damit, wie komplex unser Leben ist.

Was ist Zufall? Was ist Schicksal? Haben wir einen freien Willen? Sind wir vorbestimmt? Manche Texte haben bei mir ein Gänsehautfeeling entfacht. Können solche Zusammenhänge wirklich Zufall sein?

Die Texte weisen aber auch darauf hin, dass Erinnerungen sehr subjektiv. Wir erinnern der Vergangenheit mit heutigem Wissen, Gefühlen und Werten. Vergangene Vorkommnisse werden durch Emotionen, Gerüche oder sonstige Empfindungen ausgelöst und bzw. oder verstärkt. Paul Auster erinnert sich voll Stolz an eine Begebenheit seiner Kindheit und befragt die andere an dieser Szene beteiligte Person, wie sie das Geschehen empfand. Aber die andere Person erinnert sich gar nicht mehr daran, weil sie die Wichtigkeit der Handlung damals gar nicht wahrnahm.

Wer kennt nicht den Spruch: „Und wenn du denkst es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“ Auch dazu gibt es eine Geschichte. Wenn so etwas passiert, ist man dankbar und verwundert.

Ich glaube, wir alle können mit solchen Geschichten aufwarten, der eine mehr, der andere weniger, weil er nicht darauf achtet.

Das Leben steckt voller Widersprüche. Dialektisch zieht es uns in unterschiedliche Richtungen, letztendlich werden wir nur glücklich, wenn wir die goldene Mitte wählen.

5/5 Punkten

 

Sprachliche Gestaltung

 

Paul Auster sagt selbst, dass die kleinen Texte dem Aufbau von Witzen entsprächen. Es gibt Keine raffinierten Wortschöpfungen, nein! In minimalistischer Sprache läuft alles auf die Pointe zu.

Der Autor erzählt ohne Dramaturgie oder narrativen Kniffe. Es geht nur um den Inhalt und der spricht für sich selbst.

5/5 Punkten

 

Cover und äußere Erscheinung

 

Diese Originalausgabe gab es erstmalig vollständig 2012 bei New Directions, New York. Die Texte wurden zuvor schon in einer der u. g. Ausgaben veröffentlicht: 

Englische Fassung „The Red Notebook and Other Writings“, London 1995

Deutsche Fassung: „Das rote Notizbuch“ Rowohlt 1996.

„Die Kunst des Hungers“ Rowohlt Paperback 1997

„Das rote Notizbuch“ erweiterte Neuausgabe 2001.

Das Buch ist ein wahres Schmuckstück. Wie bei mehreren Büchern von Paul Auster dominieren im Cover die Farben Rot, Schwarz und Weiß.

Der Untergrund ist ein dunkleres Grau, worauf P A U L A U S T E R D A S R O T E N O T I Z B U C H  in genausolchen Lettern und ohne Zeilenumbruch gedruckt wurde. Der Name des Autors in Rot und der Titel in Schwarz. Rechts unten steht noch der Verlag, Rowohlt in kleineren Lettern. Das sieht richtig edel aus.

Das Buch wird im August als Taschenbuch von Rowohlt erneut herausgegeben. 

5/5 Punkten

 

Fazit

 

Paul Auster entdeckte ich über die Recherche zur Literatur seiner Frau Siri Hustvedt, die inzwischen zu meiner Lieblingsautorin wurde. Im Netz findet man gemeinsame Auftritte der beiden, die mein Interesse immer mehr wachsen ließen. Beide thematisieren Bereiche aus dem täglichen Leben und hinterfragen diese. Was hat dazu beigetragen, der Mensch zu werden, der man heute ist? Was wäre, wenn wir vor Jahren eine andere Entscheidung getroffen hätten. Jede Entscheidung, die wir treffen, hat weitreichende Folgen. Und dann gibt es noch genau diese Zufälle oder unbegreiflichen Zusammenhänge, wovon die Geschichten in „Das rote Notizbuch“ handeln. 

Beim Lesen stelle ich mir die Frage, was will der Autor mit dem Text erreichen? Will er überhaupt etwas bezwecken? Oder ist es für den Autor ein Zwang, die Geschichte niederzuschreiben, ohne zu hinterfragen? Auch hier fragte ich mich, Was will Paul Auster mit dem kleinen roten Notizbuch den Lesern vermitteln?

Ich glaube, er möchte zeigen, dass wir, wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen und vielleicht einmal innehalten, beobachten oder anderen Menschen zuhören, wir die unglaublichsten Zusammenhänge oder Zufälle entdecken. Geschichten werden nicht nur erfunden. Sie geschehen in jeder Sekunde in unserem Leben, wir müssen sie nur sehen.

@Rowohlt

 Vielen Dank für das wunderschöne Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.

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