Connies Magie Connie Ruoff

„Connies Magie“ von Connie Ruoff

Heute bin ich hier in eigener Sache. Einige Leser wissen, dass ich in die Romanwerkstatt der „Großen Schule des Schreibens“ angekommen bin, um etwas Eigenes auf die Buchstaben zu stellen. Dabei stellte sich die Frage: Warum schreibe ich überhaupt? Meine kleine Geschichte gibt euch die Antwort.

Connies Magie

„Erzählst du mir eine Geschichte?“, forderte mich der kleine rothaarige Sonnenschein auf einem Bein hüpfend heraus.
„Möchtest du nicht lieber das Hörbuch von Pipi Langstrumpf hören? Das Mädchen ist genau wie du“, fragte ich wohlwissend, dass Dana nicht darauf eingeht.
Kichernd schüttelte sie den Kopf.
„Na gut, dann komm! Hüpf ins Bettchen, kuschel dich in die weiße Flauschdecke, und ich lege mich ganz nah zu dir. Wir dimmen das Licht und lutschen Gummibärchen.“
Dana glitt flugs unter die Bettdecke und klopfte auf den Platz neben sich.
„Bist du bereit?“
„Ja, ich habe alle Türen aufgemacht, so dass die Phantasie überall hereinkommen kann!“, bestätigte mir Dana mit großem Ernst, einen Daumen nach oben gereckt.
Ich räusperte mich und dann …

Die kleine Connie und der grimmige Drache Glückfried

„Es war einmal ein kleines Mädchen, das hatte den gleichen Namen wie ich, es hieß Connie …
Das kleine Mädchen war traurig, weil der feuerspeiende Drache Glückfried sie auf seinen riesigen Flügeln entführt hatte. Seitdem wohnte sie bei neuen „Eltern“ und die waren überhaupt nicht lieb zu ihr. Das kleine Mädchen musste den Boden mit einem kleinen Waschlappen putzen. Es durfte keine Bücher lesen und keine Geschichten erzählen. Immer musste sie Haferbrei ohne Zucker essen und es gab keine Musik. Wenn sie eine Melodie trällerte, wurden die komischen „Eltern“ immer sauer. Sie wollte zu ihren eigenen Eltern zurück …

Während ich Dana die Geschichte der kleinen Connie erzählte, schweiften meine Gedanken durch Raum und Zeit. Ohne meine blühende Fantasie hätte ich meine Kindheit nicht unbeschadet überstanden. Es war immer schon so gewesen. Wenn das Leben mir nicht die ideale Umwelt schaffte, griff meine Phantasie mit helfender Hand ein.
Vor allem meine Pubertät, dieser Schwall an unbekannten Gefühlen, die sich auf einmal Bahn brachen. Die Realität hinkte meiner Superkraft meilenweit hinterher.


Andere meinten, ich wäre eine Lügnerin. Ich sagte, ich hätte eine andere Welt gewählt.
Es war eine bunt schillernde Welt. Ich wollte, andere Menschen in meine „Lügengespinste“ einladen. Ich wollte, Ihnen zeigen, wie phantastisch diese Welt ist. Wie aufregend, manchmal auch gefährlich. Mit Helden, die oftmals ihr eigenes Ding machten. Mit weißen Rittern, die den Kampf mit Ungeheuern nicht scheuten.
Es war meine Welt. Wer mich in der realen Welt ärgerte, kam auf die schwarze Liste. Er würde hart bestraft werden, in einer meiner Geschichten. Keiner kam unbestraft davon.
Es war die Welt, in der das Gute das Böse besiegte. Und doch kam das Böse immer wieder aus meinem Inneren hervor.
Die eigenen Dämonen spielen mit. Auch die Phantasie kann sie nicht vernichten. Aber sie kann die Rolle und Bedeutung der Dämonen beeinflussen.


Die Phantasie verändert die reale Welt nicht, aber sie kann ihr ein bunteres Gesicht verleihen. Es ist eine große Befriedigung zu erkennen, dass meine Sichtweise, der „Realität“, anderen Menschen gefällt, dass sie mit meinen Charakteren mitleiden. Sie lieben, verachten, fürchten oder hassen die Charaktere. Sie betreten meine Welt.
Es ist wohl das gleiche Schema der Katharsis, das Menschen schon vor 2 ½ tausend Jahren verzückte. Die Seele wird dank unserer Spiegelneuronen, „gereinigt“.
Dank unserer Erinnerungen, sind wir Geschichtenerzähler.


Das ist ganz einfach:
Du setzt dich an deinen Schreibtisch und machst aus einem Fiasko das Highlight deines Lebens. Dann wendest du den Zeitenzauber an und der Tag des Fiaskos beginnt erneut, aber nun zu deinen Bedingungen. Ach wenn doch alles so einfach wäre.
Wir wissen, dass dies leider nur in Filmen, wie „Täglich grüßt das Murmeltier“, möglich ist. Oder?
Seit Jahrtausenden erzählen wir Menschen uns Geschichten, die bei jeder Erzählung ein wenig verändert, ein wenig mehr auf die Situation zugeschnitten werden.


Viele lieben es in Computerspielen bzw. Rollenspielen, in andere Rollen zu schlüpfen. Dadurch dass ich schreibe, besitze ich ein nie endendes Rollenspiel, das ist einer von mir gestalteten Welt, nach den von mir festgesetzten Regeln funktioniert.
Ich schreibe, also spiele ich.


Ich denke mir Geschichten aus und schlüpfe in eine andere Rolle. In meinem Weltenbau bin ich Gott.
Erzählst du mir eine Geschichte? Hinter dieser Frage steckt mehr, als nur ein paar Worte. Wir sind die glücklichste Spezies, die es auf der Erde gibt. Warum? Wir erfinden Geschichten und erzählen diese weiter. Wir können die erlebte Zeit, das Weltgeschehen verändern, wenn auch nur literarisch. Im Schreiben archivieren wir diese Gedanken für Menschen, die gerne Geschichte, Romane oder Bücher lesen. Wir laden sie in unsere Welt ein.

Connies Magie Connie Ruoff

„Und der Drache wurde von Millionen Ameisen verspeist. Ihre wirklichen Eltern holten das kleine Mädchen Connie nachhause und es bekam ein tolles eigenes Zimmer mit einer ganzen Wand voller Regale und in diesen Regalen wohnten hunderte von Büchern und in einem kleinen Körbchen lag ein kleiner Kater und miaute. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute..“


„Halt!“ Heftig mit dem Kopf schüttelnd, schrie Dana mich an. „Die Geschichte stinkt!“
„Warum stinkt die Geschichte?“
„Das Ende ist gemein. Auch wenn der Drache zuerst gemein war, kann er das doch vielleicht wieder gut machen, oder? Die muss man wegwerfen! Alles was stinkt, muss man wegwerfen!“
Dana wirkte plötzlich nachdenklich.
„Weißt du, ich mag nicht, dass der Drache von Ameisen gefressen wird. Kann er nicht lernen, lieb zu sein?“, fragte sie mich.


„Gefällt dir das Ende nicht? Vielleicht habe ich es dir nicht richtig erzählt. Soll ich es nochmal versuchen. Vielleicht gefällt dir das neue Ende besser?“

„Connie war wieder bei ihren Eltern und der Drache musste jeden Tag zur Schule gehen und lernen, wie man lieb ist. Und bald wurde aus dem feuerspeienden Ungetüm, ein kleiner kuscheliger Schmusedrachen, der bei Connie einzog und gut auf sie aufpasste.“
Versonnen betrachtete ich meine kleine Nichte, die mit roten Wangen an meinen Lippen hing.
„Ja! Genau so war es!“, bestätigte mir mein kleiner Lieblingsmensch.

Genau! Das war doch im Sinne von Astrid Lindgren. Oder wie singt Pipi Langstrumpf so passend:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt
und Drei macht Neune !!
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ….

Bücher und Geschichten sind Magie. Ich will auch ein Teil dieser Magie sein, deswegen schreibe ich.


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