Erfahrungen einer Trauerrednerin

„Was bleibt, wenn wir sterben“, beschäftigt die Menschen immer wieder und ist der Motor vieler Anstrengungen. Wir denken an Shakespeare oder Goethe, die Jahrhunderte nach ihrem Tod noch immer präsent sind. Deren Lebensleistung so bemerkenswert war, dass sie nicht vergessen wurden. Aber was ist mit uns Normalsterblichen?

Alleine der Gedanke, dass ich ein Buch verfasse, das nach meinem Tod noch einige Jahre überdauert, hat schon viele Bücher entstehen lassen.

Der naheliegendste Gedanke ist sicherlich: „Wir leben in unseren Kindern weiter.“

Mit dem Gedanken der eigenen Sterblichkeit befasst sich der Mensch nicht ganz so gerne. Im Mittelalter war das doch etwas anders. Es gab sogenannte Sterbebüchlein „Ars Moriendi“, die einen auf das Sterben vorbereiteten.

Auch der Philosoph Martin Heidegger ermahnte, dass man das Leben auf den Tod hin ausrichten sollte. Der Tod sei eine Angelegenheit in der wir nicht vertreten werden können. Es ist der mir gehörige.

Wie gehen wir mit dem Bewusstsein „Sterben zu müssen“ um?

Inhalt/Zusammenfassung „Was bleibt, wenn wir sterben?“

Oder „Wie aus einer Journalistin eine Trauerrednerin wurde

Louise Brown hatte innerhalb von drei Monaten ihre Eltern verloren. Bei der Trauerfeier und der Trauerrede konnte sie nicht erkennen, dass über ihre Eltern gesprochen wurde. Das Bild, das sich aus der Rede entwickelte, hatte nichts mit ihren Eltern zu tun, obwohl sie mit dem Redner/in ein langes Gespräch hatte, konnte sie nicht das wirklich Wichtige vermitteln.

Welche Momente sind in einem Leben wichtig? Sind es die Erfolge und Misserfolge, oder sind es nicht viel mehr kleine Details, an die man sich erinnert, die einen Menschen ausmachen?

Wie empfinden die Angehörigen diese Trauerfeiern? Können sie einen kleinen Teil unserer Sehnsucht stillen?

Louise Brown erzählt über Trauer, Rituale, Sehnsucht in einer Weise, die es uns leicht macht, das Thema Tod und Sterben in unser Leben zu lassen. Rituale sind wichtig und erleichtern die Trauer. Sich ganz bewusst auf Erinnerungen einzulassen, die einen Teil der Sehnsucht nach dem geliebten Menschen, stillen können, sind ein Teil der Trauerverarbeitung.

„Die Trauer verändert einen. Sie kann einen ruheloser machen. Sie lässt einen vieles in neuem Licht sehen. Sie kann den Sinn für das Kleine schärfen. Sie kann einen verletzbarer und zugleich zäher machen. Sie kann einen die Fragilität in anderen erkennen lassen. Und in einem das Bedürfnis nach Wohlwollen und Zärtlichkeit wecken.“

„Was bleibt, wenn wir sterben“, S.232.

Fazit/Kritik „Was bleibt, wenn wir sterben?“

Ich habe das Buch schon vor einem Dreivierteljahr vom Diogenes Verlag als Leseexemplar bekommen. Aber ich konnte es lange nicht bearbeiten, weil wir selbst einen Trauerfall in der Familie hatten. Heute wünsche ich mir, ich hätte das Buch schon früher bearbeitet, vielleicht hätte es mir geholfen, meine Trauer schneller zu verarbeiten.

Ich mag die Art mit der Louise Brown über ihre Berufung spricht. Vor allem, weil man genau das merkt, dass es eine Berufung ist.

Sicherlich hat die Autorin recht damit, dass jeder von uns sich Gedanken darüber machen sollte, was nach dem eigenen Tod geschehen soll und es nicht den Hinterbliebenen alleine überlassen sollte. Auch wenn es schwerfällt, die eigene Endlichkeit anzunehmen und sich klarzumachen, dass die Welt sich ohne uns weiterdreht.

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Die Autorin beim Diogenes Verlag

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Connie Ruoff

Mein Name ist Connie Ruoff, ich bin 1960 geboren, habe Philosophie und Germanistik studiert. Damit mir zu Hause nicht langweilig wird, studiere ich"Bloggen professionell gemacht" in der Fernakademie. Ich lese alles, was ich finden kann.

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