„Fotomord“ von Patrick Worsch

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Rezension „Fotomord“ von Patrick Worsch

2. Zum Inhalt

„Fotomord“ von Patrick Worsch beleuchtet das Vermarkten von Kindern, besonders in den sozialen Medien, auch bzgl. des Rechts am eigenen Bild. Das Recht am eigenen Bild wird in den ersten zwei Grundgesetzartikeln und im Strafgesetzbuch begründet. Näheres: (Deutschland)

Medienpräsenz von Kindern im Internet ist ein aktuelles Thema. Wie geht man damit um? Prahlen wir mit unseren Kindern, weil wir so stolz auf sie sind? Haben Eltern ein Recht darauf? Oder ist es dem Kind gegenüber eine virtuelle Vergewaltigung? Hat ein Kind durch seine ständige Medienpräsenz Vorteile im Netz? Oder ist das Gegenteil der Fall? Verbaue ich einem Kind, das medienpräsenzmäßig nicht existiert irgendwelche Chancen?

Das ist ein Teil der Fragen, die man sich diesbezüglich stellen sollte.

Welcher Missbrauch kann mit diesen Bildern dadurch betrieben werden? Sind die Bilder meines Kindes für Pädophile von Interesse? Kann mein Kind später durch diese Aufnahmen verspottet oder belacht werden?

Ein Thema, das sicherlich polarisiert. Im vorliegenden Fall lernt Kilian Trommler Sarah kennen, eine Mutter, die gegen Kinderfotos im Netz ist.

Trommler ein introvertierter, junger Mann fühlt sich von dieser Kinderausbeutung so angesprochen, dass er ein Zeichen setzen möchte, um damit allen Kindern so etwas zu ersparen.

Von da an geht alles schief.

Auch Themen, wie Rassismus und Mobbing werden gestreift. Wobei ich sagen muss, dass mir das alles ein wenig zu überladen war.

Am Ende des Buches fragte ich mich, hat Trommler eigentlich sein Ziel erreicht? Hat er tatsächlich etwas erreicht?

Oder war das nur vorgegeben und er hat das im Grunde nur wegen seiner Gefühle für Sarah getan?

Die Bedeutung von Kollateralschaden man nicht besser verdeutlichen!

4/5 Punkten

3. Protagonisten

Trommler ist ein faszinierender Charakter. Er ist hochintelligent hat aber große Defizite im sozialen Bereich. Er ist introvertiert und vermeidet es zuweilen, den Menschen in die Augen zu blicken. Auch in der Beurteilung des Geschehens fehlt ihm die Verhältnismäßigkeit. Trommler ist ein Mensch, der sich bei Philosophen Hilfe sucht.

Er zitiert einiges aus Platon, dessen Gesamtausgabe er besitzt. Er bezieht sich unter anderem auf den Dialog „Theaitetos“, in dem es um Erkenntnis, bzw. Wahrheit Episteme ἐπιστήμη und Meinung Doxa δόξα geht.

Ich glaube, genau das ist Trommlers Problem. Er sucht die Wahrheit. Er möchte sich im ethischen Sinne richtig verhalten.

Die Frage handeln oder nicht handeln, will er von den Philosophen beantwortet haben. Er sucht bei Nietzsche, Kant, Schopenhauer, den alten Griechen, Aristoteles und Platon. Auch russische und französische Romane befragt er.

Aber er kommt nicht auf die Idee, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Menschen vertreten in seinen Augen wahrscheinlich nur die Meinung, die keinesfalls für die Wahrheit steht.

Mir waren es zu viele skurrile Charaktere, ein paar ganz normale Menschen hätten Trommlers Merkwürdigkeiten herausgehoben.

3/5 Punkten

4. Sprachliche Gestaltung

Gutes Lektorat! Die Dialoge waren mir etwas zu konstruiert und immer den Focus auf die Kinderbilder im Netz. Dann überlegte ich mir, dass es die Versessenheit Trommlers nachbildet. Aber auch hier wäre mir ein wenig mehr Normalität lieber gewesen.

Ich konnte das Buch nicht einfach durchlesen. Die Handlung nimmt den Leser mit. Ich denke, gerade Kinder sind ein hochsensibles Thema, das jedem zu Herzen geht. Ich habe öfter mal das Buch zu Seite gelegt, um mal durchatmen zu können.

3/5 Punkten

5. Cover und äußere Erscheinung

„Fotomord“ von Patrick Worsch (Webseite) hat 646 Seiten, einen flexiblen Einband und ist am 11.01.2018 unter der ISBN 9783200054288 bei Independently published im Genre Krimi und Thriller erschienen.

Das Cover ist schrecklich. Aber es passt hundertprozentig. Ein kleines Kind, das die Augen aufgerissen hat und dem der Mund zugehalten wird. Die Augen blicken durch die Buchstaben O des Titels. Das Ganze ist rostfarben gestaltet.

5/5 Punkten

6. Fazit

Das Buch ist intelligent geschrieben und hat ein aktuelles Thema, worin sich die Geister scheiden. Allerdings war es mir zu anstrengend. Mir hat ein wenig mehr Normalität gefehlt.

Aber ich sage immer: Jeder denkt anders. Deswegen: Selbst lesen!

Im Rahmen der Rezension möchte ich gerne die Fragen des Autors an den Leser am Ende des Buches beantworten:
Meine Lieblingsfigur? Der interessanteste Charakter ist Trommler, aber ich kann mich nicht mit ihm anfreunden. Am meisten mag ich den kleinen Patrick.

Wie ich zu dem Thema stehe? Ich würde nie Kinderbilder posten! Ich hätte zu große Angst, dass sie in falsche Hände geraten. Ich stelle sehr viele Fotos ins Netz und ich habe auch ein Bild mit meiner Nichte. Allerdings kann man sie nicht erkennen.

Ich finde es nicht gut, weil man den Kindern das Recht nimmt, selbst zu entscheiden, wie öffentlich sie leben möchten. Ich bin der Meinung, dass hier zwei bzw. drei Grundrechte kollidieren: Zum einen Art. 1 + 2 und zum anderen das Recht der Eltern, das in

Art. 6: (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

verankert ist. Ich habe mich hier immer nur auf das deutsche Grundgesetz bezogen. Ich denke, diese Rechte sind in jeder europäischen Verfassung niedergeschrieben.

@Patrick Worsch
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

Ich vergebe insgesamt 3,8/5 Punkten.

Connies Schreibblogg – Bücherblog Romane

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