augustine von Isabella Maria Kern
Augustine - In den Schuhen der anderen Book Cover Augustine - In den Schuhen der anderen
Isabella Maria Kern
Romane
IATROS
21.08.2017
Flexibler Einband
274 Seiten

1. Klappentext

„Augustine -– In den Schuhen der anderen“ ist die irreale Geschichte einer Frau, die mit Hilfe einer besonderen „Gabe“ in die Körper anderer Frauen schlüpft (transcorporiert), um leidenschaftlichen Sex zu haben und sich wenigstens für kurze Zeit der Illusion hinzugeben, geliebt zu werden.
Als sie sich in Dominik verliebt, zwingt sie die Angst, nicht attraktiv genug zu sein, in den Körper der bezaubernden Melanie zu schlüpfen, deren „Liebe“ Dominik schließlich erwidert.
Doch Melanies Körper steht nicht immer zur Verfügung, was Augustine immer kälter und rücksichtsloser werden lässt…

Es ist die Geschichte einer Frau, die ihren persönlichen Wert emotional nicht erfassen kann. Das Gefühl, sich nur in fremden Körpern als vollkommen zu sehen, lässt Augustine immer tiefer in ihre verworrene Gefühlswelt sinken.

In der Psychologie versteht man unter dem „Selbstwert-gefühl“ die Bewertung, die man von sich selbst hat.
Viele Menschen haben ein verzerrtes Bild von der eigenen Persönlichkeit und erlauben sich nicht, sich selbst fantastisch und attraktiv zu finden.
Sie haben Angst nicht zu genügen und verstecken sich hinter falschen Masken. So auch Augustine, die nicht glaubt, ihrer selbst willen geliebt werden zu können. Und sie versinkt im Strudel der Bösartigkeit.

 

2. Zum Inhalt

Das Buch hat mich erst einmal verstummen und nachdenken lassen. „Augustine“ ist ein bewegendes Drama, das in der Realität spielt und doch nicht real sein kann. Oder?

Nehme ich es als Fiktion oder sehe ich den Roman als eine Art von Bildnis oder Metapher an?

Isabella Maria Kern erzählt uns die Geschichte von Augustine, eine unscheinbare(?) junge Frau, die ihren Gefühlen nur nachgeben kann, wenn sie in den attraktiven Körper einer Fremden schlüpft. Sie verwandelt sich in die Frau, von der sie glaubt, der erhoffte Partner würde sie begehren.

Augustine gerät hierbei geradezu in eine Sucht, der sie nicht widerstehen kann. Die Autorin beschönigt nicht, dass Augustine jegliches Maß, jegliche Empathie, Moral und Ethik hinter sich lässt.

Ich war als Leser ständig genervt, empört, dann tat mir Augustine leid, aber ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Dabei fiel mir auf, dass Isabella Maria Kern etwas beschreibt und dem Leser dadurch sehr anschaulich vermittelt: Wie oft hört oder liest man von realen Menschen, die aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden, Straftaten begehen und jegliche Moral über Bord fallen lassen. Genau so ein Mensch ist Augustine.

Es geht ihr nicht um den einzelnen potentiellen Partner, sondern um das „Begehrtwerden“ oder „Geliebt werden“ an sich.

Die Autorin schildert dieses Suchtverhalten so greifbar, dass sich mir jetzt noch beim Schreiben noch die Haare aufstellen.

Allerdings blieben einige Fragen offen. Wer ist diese Amalia? Beim Lesen überlegte ich, wie löst die Autorin den Handlungsstrang auf? Wie erklärt sie das Geschehen?

Die Autorin hat ein Hintertürchen benutzt! Das fand ich sehr gelungen. Der Leser kann selbst entscheiden, wie er das Gelesene interpretieren möchte: als phantastische Fiktion oder als das anschaulich beschriebene Psychogramm einer realen Frau.

Ich wähle die letztere Lesart.

5/5 Punkten

3. Sprachliche Gestaltung

Die Worte bringen den beklemmenden Inhalt auf einprägsame Weise wieder. Die Kapitellänge ist angenehm. Und der Schluss ist, wie ich schon erwähnt habe, unerwartet.

4/5 Punkten

4. Cover und äußere Erscheinung

„Augustine“ von Isabella Maria Kern, hat 274 Seiten, einen flexiblen Einband und ist am 21.08.2017 unter der ISBN 9783869634104 bei IATROS im Genre: Romane erschienen.

Das Cover ist schwarz mit einem Foto von roten Schuhen. Ich finde die Schuhe hätten viel auffälliger sein können.

4/5 Punkten

5. Fazit

Das Buch spricht wirklich alle Gefühle an. So entsetzlich Augustines Handeln zeitweise ist, tut sie dem Leser leid, auch wenn ihm jegliches Verständnis fehlt. Ein Mensch, der sich selbst als leere Hülle empfindet, die er mit einem fremden Abbild füllen muss, um ein Leben zu führen.

Ich werde das Buch und die Figur Augustine nicht so schnell vergessen. Es ist unbegreiflich, was aus einem Menschen werden kann!

Demnächst rezensiere ich noch „Li“, ein weiteres Buch von Isabella Maria Kern. Ich bin sehr gespannt auf die Charaktere.

Ich vergebe insgesamt 4,5/5 Punkten

6. Weiterführende Links

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