ANDERS. Anders sein. Anders leben. Anders lieben…

Anders – Hannover Krimi von Ina Kloppmann

1. Klappentext

Der ursprünglich aus Berlin stammende Obdachlose Icke und sein Kumpel Horst, genannt „Hotte“, werden an Hannovers Kiesteichen überfallen. Hotte kommt auf grausame Weise ums Leben und Icke wird schwer verletzt. Die beiden Männer waren Opfer einer zufälligen Begegnung mit ein paar Jugendlichen, die zu dem Zeitpunkt der Tat unter Drogeneinfluss standen. Anfangs wollten sie „die Penner nur ein bisschen aufmischen“, aber die Stimmung wurde durch den achtzehnjährigen Lukas so aufgeheizt, bis es schließlich eskalierte. Er war offensichtlich der Treibende und die jüngeren Freunde machten nur mit, weil er es so wollte und sie nicht als Loser dastehen wollten. Der Sozialpädagoge Oliver Hoffmann betreut außerhalb seiner Praxis ehrenamtlich Menschen, die am Abgrund unserer Gesellschaft leben. Als ihn Hauptkommissar Werner, dem dieser Fall übertragen wurde, darum bittet, sich um Icke zu kümmern, sagt Oliver Hoffmann spontan zu. Er ahnt nicht, wie weit er dadurch in den Fall verstrickt wird.

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, lebte Icke zunächst in einer betreuten Wohngemeinschaft, gemeinsam mit anderen Obdachlosen. Nach einer weiteren Konfrontation mit ein paar anderen Jugendlichen, die aber glimpflich ausgegangen war, zieht Icke zu Oliver Hoffmann. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft entwickelt sich bald eine herzliche Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern, die, aufgrund ihrer Lebensweise, immer wieder auf Vorurteile in der Gesellschaft stießen. Der schwule Oliver Hoffmann ist der Patenonkel von Saskia, eine der Protagonisten aus dem Debütroman der Autorin „Bereue Hannover Krimi“. Seit der fünften Klasse ist er mit Saskias Mutter Lea, einer lebenslustigen Mittfünfzigerin befreundet. Auch Saskias beste Freundin Judy und deren Freunde Thomas und Claus tragen wieder mit dazu bei, diesem spannenden Krimi eine unterhaltsame und amüsante Note zu verleihen.

2. Zum Inhalt

Leider ist der Sachverhalt aus der Realität gegriffen. 

„Knapp ein halbes Jahr nachdem ein schlafender Obdachloser in einem Berliner U-Bahnhof angezündet wurde, ist der Haupttäter zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Berliner Landgericht ließ in seinem Schuldspruch den Vorwurf des versuchten Mordes fallen und verhängte die Strafe gegen den 21-Jährigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Die Mitangeklagten zwischen 16 und 19 Jahren bekamen acht Monate Haft auf Bewährung bzw. vier Wochen Arrest und müssen gemeinnützige Arbeit leisten.“ (nachzulesen unter Zeit online news/2017-06/13/)

Ina Kloppmann greift in ihrem Hannover Krimi Anders ein aktuelles Thema auf. Es geht der Autorin dabei weniger um die kriminaltechnische Ermittlungsarbeit, sondern um die Menschen. Im Visier stehen die Täter, die Opfer, aber auch die betroffenen Kriminalbeamten, Sozialarbeiter, Eltern, Freunde und sonstigen Angehörigen.

Eine abscheuliche Tat sicherlich. Aber was veranlasst junge Menschen dazu? Es handelt sich hierbei ja nicht um einen Einzeltäter, sondern um eine Gruppe. Es herrscht ein Gruppenzwang oder eine Gruppendynamik. Wir sind mehrere. Wir sind stark! Jugendliche, die mit dem Erwachsenwerden beschäftig sind. Sie müssen mit Misserfolgen umgehen. Sie finden keine Lehrstelle. Das Leben erscheint ihnen perspektivlos.

Die Opferwahl ist nicht zufällig. Ein Obdachloser trägt den Makel der Erfolglosigkeit. Er gilt als asozial, als Alkoholiker, dreckig und als Bodensatz der Gesellschaft. Aber wie schnell kann man auf so ein Gleis geraten? Misserfolg, Verlust eines geliebten Menschen, durch Tod oder auch durch Scheidung, kann ein Leben ganz schön durcheinanderwerfen. Eine falsche berufliche oder finanzielle Entscheidung kann auch weitreichend die Lebenführung beeinträchtigen.

Die Autorin beleuchtet leichtfüßig und empathisch die Umstände, die hinter dieser Tat stecken. Sie wertet die Menschen nicht, sondern beschreibt deren Leben.

4/5 Punkten

 

3. Protagonisten

Ich möchte mich hier auf drei Charaktere beschränken: 

Der 18jährige Lukas verfügt über ein hohes Gewaltpotential. Er weist psychopathische Züge auf. Ihm fehlt Empathie, soziale Verantwortung und er ist gewissenlos. Er manipuliert die jüngeren Jugendlichen, die mit ihm abhängen.

Olli ist ein toller Charakter. Er ist homosexuell und fühlt sich damit wohl. Dennoch ist ihm bewusst, einer Minderheit anzugehören, die oftmals Anfeindungen ausgesetzt ist. Olli fühlt mit und besitzt eine hohe emotionale Intelligenz, die ihn sehr sympathisch macht. Er ist ein bisschen der gute Ritter, der bei Obdachlosigkeit, Liebeskummer und Weltschmerz hilft. Meine Lieblingsfigur!

Der obdachlose Icke ist ein guter Mensch, der viel einstecken musste und dem es den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Er hat viel verloren, aber nicht seine Menschlichkeit und sein moralisches Empfinden.

4/5 Punkten

 

4. Sprachliche Gestaltung


Es lässt sich leicht lesen. Ina Kloppmann gelingt es, den Schreibstil trotz des schwierigen Themas, flott und zügig beizubehalten. Sie weckt Interesse und zeigt die Probleme ohne den erhobenen Zeigefinger auf, so dass der Leser ein eigenes Urteil bilden kann.

4/5 Punkten

 

5. Cover und äußere Erscheinung

„Anders Hannover Krimi“ von Ina Kloppmann hat 208 Seiten, einen flexiblen Einband und ist am 11.03.2016 unter der ISBN 9783738648607 bei Books on Demand im Genre, Krimi und Thriller, erschienen. Der Preis beträgt 9,50 € (als eBook 2,99€).
Auf dem Umschlag ist ein Mann in Jeans und T-Shirt auf dunklem Hintergrund abgebildet. Ich habe mir Icke darunter vorgestellt. Gefällt mir gut, weil Icke nicht ganz deutlich ist und im Schatten steht. So wie auch im Leben. 

4/5 Punkten

 

6. Fazit

Das Buch gefällt mir sehr gut, weil die Autorin die menschliche Seite beleuchtet. Also ein etwas anderer Krimi. Am besten gefällt mir S. 5:

ANDERS
Anders sein. Anders leben. Anders lieben.
Jeder Mensch ist anders.
Jeder Mensch ist etwas Besonderes.

Keine anderen Worte hätten das Buch exakter zusammenfassen können. Es ist ein Hoch auf die Toleranz.
Trotz des abscheulichen Geschehens, macht es Spaß das Buch zu lesen, weil es wirklich unterhaltsam ist.
Der Leser sieht, dass Fremdes oft den Schrecken verliert, wenn man es kennen lernt und aus dem Obdachlosen, der an der Ecke bettelt, wird ein armer Mensch, der ein schweres Schicksal trägt und unser Mitgefühl verdient.

@Ina Kloppmann.
Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar mit Widmung!

Ich vergebe insgesamt 4/5 Punkten.

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