Interview mit Michael Alexander Barysch

Interview mit Michael Alexander Barysch

Interview mit Michael Alexander Barysch

Lieber Michael!

Vielen Dank, dass du uns heute ein wenig von dir und deinem Debütroman erzählst und wir dich besser kennenlernen dürfen!

 
Der Erbe Des Feuers Cover Interviews

Geschrieben habe ich, seit ich 13 bin, aber nur kürzere Geschichten und ein paar Songs, die ich mit der Gitarre zuhause für meine Frau und unsere Kinder zum Besten gebe.

„Der Erbe des Feuers“ kam irgendwann schlagartig in meinen Kopf und die Story stand im Großen und Ganzen innerhalb weniger Tage. Ich habe dann schnell gemerkt, dass beim Schreiben immer mehr Figuren und Verwicklungen wie von selbst kommen, weswegen ich in dem Fall das erste mal dran geblieben bin.

Auch ein Grund ist ganz sicher, dass ich es reizvoll finde, einen Hauptcharakter (weiter) zu entwickeln, der sich nicht ohne Weiteres ins Helle oder Dunkle schieben lässt. Das ermöglicht viel Spielraum im weiteren Handlungsverlauf.

Ursprünglich dachte ich an ein (zugegebenermaßen dickes) Buch. Aber die Feinheiten verdienen nunmal auch ihren Raum, weswegen es mehr wurde, als geplant.

Abgesehen davon, dass viele Antagonisten den ersten Band überlebt haben und es zahllose Konflikte und Verschachtelungen zu erzählen gibt, sind Jakob und Tarak – die beiden zentralen Charaktere – noch lange nicht erwachsen und haben weiterhin ihre Aufgabe: Nichts weniger, als die Menschheit zu retten. Ich habe noch etliche Steine in der Schublade, die ich ihnen dabei in den Weg schmeißen kann.

Derzeit tue ich das bereits in den Anfängen von Band 2, dessen Story ebenfalls weitestgehend steht. Ich rechne aber nach der Erfahrung mit dem ersten Buch mit einem dritten Band.

Zudem liegen etliche Seiten eines Prequels über Tarok den Drachenfürst und einige Kurzgeschichten aus derselben Welt schon auf der Festplatte.

Die relevanten Punkte hast du gut getroffen, ich hätte allerdings die Reihenfolge etwas geändert und an die Spitze das Thema „Manipulation“ gesetzt. Ich glaube, all diese Themen funktionieren nur, weil die Hauptcharaktere – ob gut, ob böse, ob schwer einzusortieren – allesamt eine gewisse Intelligenz und (du hast es gesagt) die Fähigkeit zur Selbstreflektion mitbringen.

2. Warum gerade diese Themen?

Beginnen wir mit der Manipulation: Die schlechtesten Menschen in unserer echten Menschheitsgeschichte konnten lange über andere Personen herrschen, weil sie alle Mittel zur Manipulation angewandt haben. Mir war mit dem ersten Auftauchen Kranaks in der Handlung klar, dass diese Figur nur dann ein nachhaltig faszinierender Antagonist sein kann, wenn er seine Umgebung und den Leser rhetorisch mitreißt und auch sonst gewalttätige Skrupellosigkeit ausstrahlt.

Freundschaft und Liebe sind (wie auch Loyalität) in einem dramatischen Kontext natürlich gute Gegenpole oder aber Möglichkeiten, den Konflikt zu verschärfen. Ich glaube daran, dass Befreiung vom Bösen ohne diese beiden Dinge nicht möglich ist. Daher wollte ich ihnen in dem Buch immerhin einen Versuch gönnen 😉

Die von dir angesprochene Rivalität ist natürlich stark der Vergangenheit geschuldet, weswegen die Themen zusammen gehören. Ein Bruderkonflikt ist klassischerweise ein Mittel, um die Charaktere innerlich unentschlossen und damit angreifbar und verletzlich werden zu lassen. Damit verhindere ich einen übermächtigen Spieler.

(Ich merke gerade, dass ich Vorarbeit für die Textanalyse mancher interessierter Schüler betreibe)

3. Warum schreibst du?

Ohne Witz wirklich hauptsächlich weil ich es schade fände, dass meine Ideen auf Skizzenblättern oder in meinem Kopf versauern. Ich habe zu Beginn nie gesagt: „So, jetzt schreibst du mal was“, sondern eindeutig: „Geile Idee, halt das doch mal fest.“

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4. Wie gehst du beim Schreiben vor?

Planst du vor dem eigentlichen Schreiben, den Roman durch bzw. plottest du zuerst, oder schreibst du eher nach Gefühl?

Ohne eine „meilenstein-orientierte“ Storyline komme ich nicht zurecht. Diese muss in meinem Kopf stehen von Anfang bis Ende und am besten bald auf Papier oder am PC festgehalten sein. Dann lege ich los und bewege mich mit Geschehnissen, Dialogen und Figuren-Konstellationen auf die zwingenden „Meilensteine“ zu. Was dazwischen geschieht kommt teils beim Schreiben, teilweise baue ich aber komplette Textbausteine, Absätze und Gespräche über Tage in meinem Kopf zusammen und tippe sie nur noch ein. Alles, was ich schreibe, lese ich mindestens drei-, bei längeren Texten fünfmal Korrektur, bevor es ein anderer Mensch zu Gesicht bekommt. Dabei geht es mir aber kaum um Rechtschreibfehler, sondern um den Inhalt, und es können ganze Kapitel wegfallen oder neue Handlungsstränge entstehen.

5. Kennst du Lovelybooks?

Hast du schon einmal daran gedacht, dein Buch in eine Leserunde bei Lovelybooks zu geben?

 

Ja, ich habe sogar ein Autorenprofil angelegt…dann kam der Alltag dazwischen und ich habe nicht mehr dran gedacht. Meinst du, es würde sich lohnen?! 😉

Oh ja! Ich glaube, dass du, wenn du in einer Leserunde die richtigen Fragen zur Handlung und den Protagonisten stellst, wichtige Leseerfahrungen für dich und dein Buch nutzen kannst.

6. Hast du ein schreibendes Vorbild?

Sprachlich Goethe, figurenzeichnerisch John Grisham, action-mäßig Frank Schätzing. An keinen der drei komme ich in den jeweiligen Stärken natürlich auch nur annähernd heran.Mein echtes Vorbild aber ist die geniale dreier-Bande Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens.

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7., Und jetzt die wichtigste aller Fragen:

Was ist dein aktuelles Projekt? Was möchtest du uns darüber erzählen? Ich will alles wissen! Hihi

Neben der Weiterentwicklung der Welt, in der „Der Erbe des Feuers“ spielt, entwickle ich derzeit einen episodischen, humoristisch angelegten Zombieroman (die Figuren stehen und erste Handlungsschritte, leider noch nicht die gesamte Storyline). Außerdem habe ich einen Gruselroman begonnen – da ich selbst sehr anfällig für sowas bin, habe ich schon Alpträume mit meinen eigenen Figuren gehabt, weswegen der Schwerpunkt im Moment woanders liegt.

Ich würde auch gerne einen Krimi schreiben, aber da fehlt mir der durchstechende Twist und ohne geht es nicht.

Sprich: Ideen für ganz andere Dinge habe ich auch – allein, es fehlt die Zeit, allen dieselbe Aufmerksamkeit zu widmen, wie „Der Erbe des Feuers“ sie bereits erhalten hat.

8. Was liest du selbst gerne?

Hast du schon einmal daran gedacht, dein Buch in eine Leserunde bei Lovelybooks zu geben?

 

Insgesamt lese ich selbst gar nicht so viel und wenn dann quälend langsam. Ich lege mich auch nicht fest, aus welcher Richtung ein Buch kommen muss. Bisher hat mich aber noch kein Gerichts-/Anwaltsthriller enttäuscht und klassische Fantasy packt mich auch schnell. Ich oute mich auch als Fan von Romanen von Dan Brown – auch, wenn mir bewusst ist, dass der Leser hier eindeutig stark mit Budenzauber geblendet wird.

9. Findest du, dass Autoren einen gesellschaftlichen Auftrag haben?

Wenn ja, welche Botschaft möchtest du weitergeben?

In Köln gibt es eine gängige Floskel: Arsch huh, Zäng ussenander! (Arsch hoch, Zähne auseinander!). Das richtete sich ursprünglich gegen rechte Gewalt, kann aber auf alles angewandt werden und meint nichts anders als „Mund aufmachen, wenn dich was stört“. Sonst ändert sich ja nichts.

Autoren/Autorinnen müssen das auch machen, aber eben mit ihrem Gedankenmanifestator: Dem Stift (oder der Tastatur). Dadurch kommt es in die Welt, bleibt erhalten und damit wichtig.

Ich glaube, „Der Erbe des Feuers“ zeigt klar auf, was passiert, wenn man stumpf den falschen Meinungen hinterherläuft. Das ist selbstverständlich eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.

Lieber Michael, vielen Dank für Deine Geduld!

 Das waren meine Fragen. Möchtest Du noch einige Worte an deine Leserschaft richten?

Ich kann mich nur bei allen Menschen bedanken, die meinem Debütroman eine Chance gegeben haben und freue mich, wenn noch der/die ein oder andere hinzukommt.

Schreiben ist und bleibt ein Hobby für mich. Wenn ich die Resultate darauf mit euch teilen kann: Sehr schön! Wenn das Geschaffene euch dann auch noch gefällt: Umso besser!

Peter Jackson hat mal gesagt: „Pain is temporary, film is forever.“ (Er hat das Zitat selbst übernommen und fortentwickelt). Ich würde den Satz leicht abwandeln: „Pain is temporary, tales are forever“.

Lieber Michael! Ich danke dir für das Interview!

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Connie

Mein Name ist Connie Ruoff, ich bin 1960 geboren, habe Philosophie und Germanistik studiert und bin jetzt in der "Schule des Schreibens" eingeschrieben. Ich wohne in Hessen. Ich lese alles, was ich finden kann.

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