Arbeitest du mit Testlesern oder machst du Leserunden?

Beides. Zuerst Testleser, dann Leserunde, wenn das Buch veröffentlicht ist. Ich habe eine gute Freundin, meine Nachbarin Sylvia, die liest zuerst. Noch bevor alles fein ausgearbeitet ist. Wenn sie sagt, das ist spannend und stimmig, dann vertrau ich ihr. Sie hat ein gutes Feeling, auch für Unstimmigkeiten. Dann arbeite ich aus und die ersten Testleser bekommen die Geschichte zu lesen. Und je nachdem arbeite ich dann die Rückmeldungen ein. Es hilft ungemein, weil man oft als Autor eine bestimmte Szene im Kopf hat, die man vielleicht nicht so verständlich rübergebracht hat. Und alles, was meine Lektorin – die das Buch auch erst bekommt, nachdem Sylvia erstgelesen hat und ich überarbeitet – dann vielleicht übersehen oder anders gesehen hat, wird von den Testlesern noch mal kritisch beäugt. Allerdings lasse ich mir in der Geschichte selbst nicht dreinreden. ???? Beim Tiergartenmörder hatte ich eine Testleserin, der hat der Mörder nicht gepasst. Sie hätte lieber einen anderen Mörder gehabt. Oder manchen hat Beccas Aushalten ihrer missratenen Ehe nicht gefallen. Auch wenn sich viele das nicht vorstellen können, es ist so. Und warum etwas schöner darstellen, wenn es genauso sein kann?


 

Warum schreibst du?

Das ist eine gute Frage. Meine Mama fragt mich das auch immer wieder, weil sie nicht verstehen kann, dass ich meine Freizeit mit einer brotlosen Kunst vergeude …

Weil es mir Spaß macht. Ich wollte nicht schon immer schreiben, wie das ja bei vielen Autoren so der Fall ist. Nein, mir sind die Geschichten einfach eingefallen. Es gibt einen Auslöser, der mich umtreibt und mich dann mit einer Geschichte aufwachen lässt. Die Wahl Trumps war das, oder eben die Flüchtlingsfrage. Mir ist es ein Bedürfnis. Und Befriedigung. Ich hätte nie gedacht, wie befriedigend es sein kann, Geschichten und Figuren zu entwerfen und dieses miteinander zu verweben. Ein Stücken Zeitgeschichte krimitechnisch aufzubereiten. Mein Wissen als Historikern zu verarbeiten. Meine Lebenserfahrung einzubauen. Wenn man die 50 überschritten hat, sieht man vieles anders. Meine Figuren handeln für manche Leser etwas gewöhnungsbedürftig, was ich mit 20 oder 30 wahrscheinlich auch so gesehen hätte. Aber mittlerweile weiß ich, dass alles möglich ist … Und all diese Möglichkeiten in einen Krimi einbauen zu können, macht für mich den Reiz beim Schreiben aus.


Wie gehst du beim Schreiben vor? Planst du vor dem eigentlichen Schreiben, den Roman durch bzw. plottest du zuerst, oder schreibst du eher nach Gefühl?

Ich plane nichts, sondern habe wie aus heiterem Himmel die Geschichte komplett im Kopf. Heißt, der Plot steht. Und der wird ausgefeilt. Ich gehe, wenn ich nicht als Qualitätsmanagerin tätig bin, mit meinen Figuren schlafen und stehe mit ihnen auf. Dann fällt mir in der Morgendämmerung so ein Satz wie „Mrs Wellington trinkt Tee ein“ und dann entstehen daraus zwei Kapiteln in „Mord am Campus“ mit der alten Mrs Wellington, der lieben und netten Nachbarin der Mordverdächtigen. Oder ich sitze beim Frühstück in Dahlem im „Alten Krug“ und denke, dieser Ort würde sich doch wunderbar für Rebecca Winter als ein Schnipsel ihre Figur eigenen. Ich „lebe“ meine Geschichten. Ohne die Morde natürlich ???? 


Hast du ein schreibendes Vorbild?

Nein. Aber viele Autoren und Autorinnen, die ich sehr schätze. Agatha Christie ist so eine, mit der bin ich aufgewachsen. Ich hab all ihre Krimis als Halbwüchsige verschlungen. Stefan Zweig und seine Sprache liebe ich sowie die von Stefanie Zweig, die nicht mit Stefan verwandt ist. Felicitas Mayhalls Laura-Gottberg-Krimis sind meine absoluten Favoriten von heute, auch wenn Frau Mayhall leider schon verstorben ist und wir so nie erfahren werden, ob Laura und Angelo sich doch noch kriegen … Vielleicht hat mich die Lektüre ihrer Krimis sogar inspiriert … was weiß man schon, was in einem vorgeht?


Was liest du selbst gerne?

Krimis, historische Sachbücher und Biographien historischer Persönlichkeiten. Bei mir stehen zuhause die Herrschaften Kissinger, Clinton, Trump, verschiedene Habsburger, Hannah Arendt, Hitler, Liebermann, Doris Lessing, Berta von Suttner, Grace Kelly, Peter Scholl Latour … nein, jetzt hör ich auf zum Aufzählen. Ich bin vielseitig interessiert … und in das Leben interessanter, böser, schöner Menschen zu blicken ist höchst aufschlussreich und sehr inspirierend oder abschreckend. 

Findest du, dass Autoren einen gesellschaftlichen Auftrag haben, wenn ja, welche Botschaft möchtest du weitergeben?     

Gesellschaftlichen „Auftrag“ würde ich jetzt vielleicht nicht sagen, doch ich denke, dass wir in gewisser Weise so etwas wie Vorbilder sind. Ich könnte daher in meinen Büchern auch nie etwas vertreten, dass ich persönlich nicht unterschreiben könnte, auch wenn kontrovers diskutiert wird wie jetzt im „Tiergartenmörder“. Ich für mich finde es wichtig, nicht nur einen spannenden Lesestoff zu liefern, sondern auch ein bisserl die Gehirngänge der Leser zu reizen. Mich hat es unheimlich gefreut, als eine Leserin mir geschrieben hat, dass sie neben dem Lesen gleich immer recherchiert hat – sowohl über die historischen Fakten als auch über die Lokale, die ich in meinen Krimis auch immer wieder vorstelle. Eine andere Leserin hat gemeint, dass sie aus meinen Büchern schon viel gelernt hat. 

Du hast in deiner Rezi geschrieben, Rebecca ist dir am Anfang mit ihrer „Klugscheißerei“ ein wenig auf die Nerven gegangen, hast dann aber für dich festgestellt, dass sie einfach eine „gut informierte und belesene Bürgerin“ ist. Und das möchte ich auch vermitteln. Dass „Bildungsbürgertum“ kein Schimpfwort ist, als das es ja heute oft schon gebraucht wird, sondern das Bildung und Information wichtig sind. Sonst können die Politiker mit uns machen, was sie wollen. Sehen wir grad in den USA, wo die einfachen Worte „Sperrt sie ein“ mehr bewirken als jedes sachliche Argument, dem Leute gar nicht mehr folgen können ob ihrer nicht so ausgeprägten Bildung, einschließlich dem Präsidenten. Ist doch traurig, oder? Heute stehen uns so viele Mittel zur Verfügung. Aber wofür nutzen wir das Internet? Zum Beleidigen und doofe Spiele spielen.

Ja, vielleicht sehe ich es doch als Auftrag, ein bisschen Information in meinen Geschichten mitzuliefern, die über die Story hinausgeht. Es schadet ja nicht, wenn man ein bisserl was Neues hört, oder? Oder Dinge, die irgendwo in den Gehirnwindungen verschwunden sind, wieder hervorkitzelt. Daher würde ich sagen, meine Botschaft lautet, Leute informiert euch. Bildet euch weiter, damit euch keiner ein X für ein U vormachen kann.


Das waren meine Fragen. Dann hoffe ich, dass wird dich mit dem nächsten Buch hier wiedersehen. Möchtest Du noch einige Worte an deine Leserschaft richten?

Ich freue mich total, dass es da draußen bereits Fans von mir gibt, die mir bei Instagram folgen oder mir per Mail ihre Eindrücke dalassen. Es ist wunderschön zu wissen, dass deine Geschichten ankommen und gelesen werden. Ich bin für jeden Leser dankbar und demütig, dass meinem Buch jemand seine kostbare Zeit widmet. Ich kann nur DANKE an meine Leser sagen und hoffe, sie bleiben mir treu. 

Für alle Mercédès-Mayerhuber-Fans wird’s im Frühsommer eine Fortsetzung der „Mallorquinischen Leiche“ geben, ähnlich locker flockig wie der letzte. Und im Herbst/Winter dürfen sich die Rebecca-Winter-Fans aus dem „Tiergartenmörder“ freuen, da kommt der Nachfolgeband. Zwei ganz unterschiedliche Kommissarinnen. Aber vielleicht kreuzen sich ja auch ihre Wege? Als Rebecca-Winter-Fan würde ich auf die Fortsetzung der „Mallorquinische Leiche“ spitzen …

Ja, und ich würd mich riesig freuen, wenn ich mit meinem nächsten Buch auch wieder bei dir aufschlagen darf! Du weißt ja, ich mag deine Art der Rezension sehr ????

Vielen Dank für deine Bereitschaft Connies Schreibblogg, einige Fragen zu beantworten. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich mit deinem nächsten Buch wieder „besuchen“ würdest.

Gerne liebe Connie. Jeder Zeit wieder ????

 

Wohin?

Mallorquinischen Leiche zum Frühstück

Der Tiergartenmörder

Seiten: 1 2 3

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