Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Ich freue mich sehr, dass ich einige Mitleser gefunden habe. Ich habe mich die letzten Wochen intensiv mit Dürrenmatt und seinen Werken auseinandergesetzt und eine Begleitmaterial Sammlung für diejenigen zusammen gestellt, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten.

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er die Werke einfach nur lesen und auf sich wirken lassen möchte und nur die Ergebnisse der Lesegruppe sehen möchte, oder ob er tiefer in den Kosmos Dürrenmatt eintauchen möchte. Für die Dürrenmatt Kosmonauten habe ich kurze Zusammenfassungen. Podcasts, Lektüreempfehlungen und Links eingebaut. Das bleibt jedem selbst überlassen, ob er das Angebot nutzen möchte oder nicht. Wenn Fragen auftreten stellt sie bitte in der Gruppe. Wir erarbeiten dann gemeinsam die Lösung.

In der Lesegruppe sind wir gerade in WA 19 Frühe Prosa. Die erste Etappe sind die Texte: Weihnachten, Der Folterknecht, Die Wurst und der Sohn. Hierbei ist es vielleicht gar nicht schlecht über Dürrenmatts Werkzeug – dem Gleichnis zu reden.

Das Gleichnis – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt 1

Dürrenmatt äußert sich zu Bild- und literarischen Werken:

»Meine Zeichnungen sind nicht Nebenarbeiten zu meinen literarischen Werken, sondern die gezeichneten und gemalten Schlachtfelder, auf denen sich meine schriftstellerischen Kämpfe, Abenteuer, Experimente und Niederlagen abspielen.«

Die Kunst ist an sich mehrdeutig, sie ist ein Material, das man so oder so
auslegen kann. Es gibt kein Gleichnis, das nur eine Deutung zuläßt. Die
Mehrdeutigkeit ist unser Schicksal.

Ich glaube, das ist auch der Grund, warum Dürrenmatt in jede Zeit passt. Ein Gleichnis kann der Zeit und den Umständen entsprechend gedeutet werden.

Bei Ulrich Weber erfahren wir:

Er verstand seine Erzählungen und Theaterstücke als
gleichnishafte, vieldeutige Gegenwelten, die nur mittelbar
auf die zeitgenössische Wirklichkeit zu beziehen waren

In einem Brief an Charlotte Kerr schreibt Dürrenmatt:

[…] Fiktionen sind Gleichnisse[,] die griechischen
Tragödien sind Menschengleichnisse und in gewisser
Weise lässt sich nur durch Gleichnisse über den
Menschen reden im Allgemeinen, das heisst, im
Abstrakten.

Ein Gleichnis ist eine poetische Veranschaulichung. Dabei unterscheidet man zwischen der Bild- und der Sachebene.

Ich glaube, man muss immer bedenken, dass Dürrenmatt als Maler, die Bildebene zuerst vor Augen hat, und die Gefühle, die dieses Bild bei ihm erzeugt, transferiert er literarisch in seine Texte. Aber es sind Gleichnisse, die mehrere Interpretationsansätze oder Deutungen zulassen.

Interpretationsansätze – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Theodizee Frage – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Wir gehen von folgenden Annahmen aus:

1. Es gibt einen Gott.
2. Gott ist allmächtig. Demnach hat Gott die Macht, Leid zu verhindern.
3. Gott ist gütig. Es ist also Gottes Wunsch, Leid zu verhindern.
4. Es gibt auf der Welt Leid und Übel.

Man muss nicht lange nachdenken, um zu sehen, dass hier ein Widerspruch ist.

Zum Verständnis ein Podcast Mein Tipp aus der ARD Audiothek: Die Theodizee – Frage – „Wo warst du Gott?“

„Woyzeck“ von Georg Büchner – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Natürlich kann man den guten Friedrich auch ohne Büchner verstehen. Trotzdem möchte ich euch einen Textauszug aus „Woyzeck“ vorstellen.

Kurz der Inhalt:

Woyzeck ist ein mittelloser Soldat, der mit seiner Freundin Marie ein gemeinsames Kind hat. Um Kind und Frau zu unterstützen, nimmt er Jobs an. Er wird von seinen Arbeitgeber verspottet und herabsehend behandelt. Marie betrügt ihn. Woyzeck erfährt es vom Hauptmann. Bevor er nach Hause kommt, spielt diese Szene:

Großmutter: Kommt, ihr kleinen Krabben! – Es war einmal ein arm Kind und hatt‘ kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es is hingangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt’s in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war’s ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam, war’s ein verwelkt Sonneblum. Und wie’s zu den Sternen kam, waren’s kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie’s wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich’s hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein. Woyzeck erscheint: Marie!

Wer den Woyzeck ganz lesen möchte, findet ihn hier im Gutenberg Projekt. Das Märchen, das die Großmutter erzählt, hat wohl Dürrenmatt, nachdem er in Bern über Büchners Grab stolperte, zu Weihnachten inspiriert, so! Oder so ähnlich. Am Schluss ersticht Woyzeck Marie. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass Woyzeck Stimmen hörte, die ihm sagten, er solle Marie töten.

Podcast Tipp aus der ARD Audiothek: Georg Büchner – Dann nehme ich den Schießprügel

Gott ist tot – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Was bedeutet es eigentlich, dass Gott tot ist? Das ist ein Thema, worüber wir gerne im ersten Zoom Meeting diskutieren können.

Tipp aus der ARD Audiothek: Leben ohne Gott – Friedrich Nietzsche und Albert Camus

Der Film auf YouTube ist ein fiktives Gespräch zwischen Platon und Nietzsche von Wilhelm Weischedel

Das Höhlengleichnis – Begleitmaterial Wir lesen Dürrenmatt

Dürrenmatt bezieht sich immer wieder auf das Höhlengleichnis, wenn es darum geht, was der Mensch erkennen kann.

So das reicht erst einmal. Nächste Woche stelle ich Begleitmaterial zu Sören Kierkegaard auf die Seite.

Schön, dass ihr dabei seid. Es wäre prima, wenn ihr mir einen Kommentar schreiben würdet, wie euch die Begleitmaterialien gefallen. Oder ob ihr das Material überflüssig findet.

Ich freue mich auf euch.

Herzlichst Connie

Passt gut aufeinander auf und bleibt gesund!

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