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Alles hat die gleiche Basis – oder wie man Fakten unterschiedlich verpacken kann

Einem Text von Peter Bamm haben wir folgende Anekdote entnommen:

Ein plötzlich irrsinnig gewordener Mann hob in Saloniki (Griechenland) sein gesamtes Bankkonto von 25.000 Euro ab und verteilte es an einer Straßenecke. Passanten und Straßenjungen rissen sich um das Geld, bis die Polizei dem Treiben ein Ende machte und den Mann einem Psychiater vorstellte.

a) Polizeibericht im Nominalstil.

Polizeibericht vom 25.10.2017

Heute Vormittag um 11.20 Uhr wurde in Saloniki ein Mann festgenommen. Er konnte sich als Karlheinz Minor ausweisen. Herr Minor hat durch die Verteilung von 50-€-Scheinen einen Menschenauflauf verursacht.Eigenen Angaben zufolge, hatte Herr Minor sich sein gesamtes Vermögen in Höhe von 25 000 €, bei der Nassauchischen Sparkasse in 50-€-Scheinen auszahlen lassen und es dann auf dem Marktplatz an der Ecke zur Theaterstraße, an die Passanten verteilt. Das übrigegebliebe Vermögen von 16 590,– € wurde sichergestellt.Bei der polizeilichen Befragung machte Herr Minor einen geistig desorientierten Eindruck.Er wird der Psychiatrie vorgestellt.

b) Ich habe das wilde Treiben selbst beobachtet und erzähle meiner Freundin davon.

b) Am Telefon:

Stell dir vor, was ich gestern erlebt habe! Mitten in Saloniki, am Marktplatz. Gegenüber vom Olivenhändler drängelten sich viele Menschen um irgendetwas oder irgendjemand herum. Du kennst ja meine Neugierde! Also lief ich rüber. Alles um mich herum war aufgeregt und drängte weiter in die Mitte.Nicht zu glauben. Da stand ein älterer Mann mit Glatze, Brille und einem Handwerker-Blaumann und verteilte Geldscheine an die Leute.

Da verteilt einer einfach so Geld!Wobei es eher so aussah, als rissen sie ihm das Geld aus der Hand. War das die „versteckte Kamera“ oder eine andere dieser beknackten Fernsehshows?Ich hatte das Gefühl erdrückt zu werden und versuchte, mich aus der Masse herauszulösen. Da kam gerade die Polizei und löste den Menschenpulk auf.Abends sah ich in den Regionalnachrichten, dass der Mann wohl psychische oder geistige Probleme hatte, sein Vermögen bei der Bank abgehoben hatte und es an die Leute verteilte. Dafür wurde er dem Psychiater vorgestellt.

Kann man denn mit seinem Geld nicht machen, was man will?

c) Märchen

 

Es war einmal ein alter Mann, der immer einen Teil seines Lohnes gespart hatte. Als er nun achtzig Lenze zählte, sagte er zu sich: Karlheinz: Es ist an der Zeit, Gutes zu tun!

Er holte das lebenslang gesparte Geld von der Bank. Seine Tasche war kaum groß genug, weil er sich das Vermögen in 50-€-Scheinen auszahlen ließ.

Er brauchte seine ganze Kraft, um die Tasche zum Marktplatz zu tragen. Dann lehnte er sich an die Mauer des kleinen Lebensmittelladens und wartete.

Er wartete auf vorbei hastende Menschen. Als er der ersten Frau einen 50-€-Schein entgegen streckte, wich sie zuerst zurück, dann riss sie den Schein an sich und rief: „Den habe ich verloren!“

Der alte Mann wunderte sich und verteilte das Geld weiter.

Es kamen immer mehr Menschen. Alle wollten sein Geschenk. Keiner lehnte ab. Wenige bedankten sich. Er konnte kaum noch atmen, so dicht gedrängt drängelten sie sich um ihn herum.

Der Schultheiß kam und gebot dem Treiben Einhalt. Er fragte den alten Mann:

„Warum hast du das getan?“

Er sagte: „Ich wollte Gutes tun!“

„Ist dir das gelungen?, fragte der Schultheiß.

„Nein, ich habe den Menschen nur Gier und Neid damit gebracht.“

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